© APA/AFP/ANGELA WEISS

Politik Ausland
09/13/2020

Schießereien und Stadtflucht: New York leidet unter Corona-Krise

Broadway ohne Shows, Stadien ohne Fans, Lokale ohne Gäste: Wie New York mit den Folgen der Pandemie kämpft.

von Angelika Ahrens

Am Times Square flimmern wieder riesige Leuchtreklamen und versprühen einen Hauch Entertainment. Doch die Menschen, die Touristen fehlen auf den Straßen. Broadwaysänger und Musiker verdienen sich ihr Geld als Werbesprecher oder private Musiker bei Geburtstagsessen. Entweder in New York oder in den Hamptons.

Das bei Touristen so beliebte Einkaufsviertel Soho bietet ein ähnlich bedrückendes Bild. Links und rechts vom Broadway stehen Geschäfte leer. Und es sind nicht nur die kleinen Läden, auch Große geben auf: Die Kaufhauskette Lord & Taylor schließt nach 200 Jahren jetzt auch die letzten Geschäfte, der Billig-Markentempel Century 21 sperrt nach fast 60 Jahren zu.

Seit dem Ausbruch der Pandemie hat mehr als eine halbe Million Menschen die Stadt verlassen. Die Gründe: Die Enge der Stadt, Massenproteste, soziale Unruhen und Schießereien, die mittlerweile an der Tagesordnung sind. Wer noch kein Haus auf dem Land hatte, hat sich eines gekauft oder gemietet. Viele haben ihre Kinder anderswo eingeschult. Die Folge: Die horrenden Mieten lassen sich besser verhandeln. Im Schnitt gibt es 1,8 Monatsmieten gratis, wenn man einen Vertrag abschließt. Denn Tausende Wohnungen stehen leer.

Alkohol und Drogen

Das nutzen mittlerweile Obdachlose für Einbrüche. Alkohol, Drogen und Arbeitslosigkeit werden auch in den nächsten Monaten noch dafür sorgen, dass mehr Menschen ihre Wohnung verlieren. „Das wird noch richtig schlimm werden,“ sagt Christine, eine Bewohnerin. Das sei nach 9/11 auch so gewesen.

Die Menschen fehlen auch anderswo. Zum Beispiel im Stadion in Flushing Meadows, im Stadtteil Queens. Hier feuern sonst während der US-Open zirka 850.000 Fans die Spieler an. Und es mischen sich lokale Promis wie Schauspieler Alec Baldwin oder Filmregisseur Spike Lee unter die Zuschauer. Doch heuer waren aufgrund der Covid-Beschränkungen maximal Serviceleute, Caterer oder andere Sportler auf der Tribüne zu sehen.

Infektionsrate sinkt

Als das Coronavirus vor wenigen Monaten die Stadt noch fest im Griff hatte und die Krankenhäuser überfordert waren, wurde das US-Open-Gelände zum Feldlazarett umgebaut.

Allein in der Megacity sind seither mehr als 23.700 Menschen an Covid-19 gestorben. Mittlerweile liegt die Infektionsrate seit mehr als 30 Tagen unter einem Prozent. „Das sind großartige Nachrichten“, erklärte Gouverneur Andrew Cuomo. Er hat den Menschen von Anfang an eingebläut, Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Sie sind in New York auch für Kinder ab zwei Jahren Pflicht. Wer sie in der U-Bahn nicht trägt und erwischt wird, zahlt 50 Dollar Strafe. Denn die U-Bahn ist der Schlüssel für die Wiederbelebung der Wirtschaft. Sie soll die Menschen zurück an die Arbeitsplätze bringen und sich damit teilweise auch selbst am Leben erhalten.

Allerdings war sie auch die reinste Virenschleuder. In der Folge haben sich viele nicht getraut, damit zu fahren. So auch Manny. Der Koch hat sich in einem Lokal in Manhattan nur dann zum Dienst einteilen lassen, wenn ihn seine Frau mit dem Auto aus Queens zur Arbeit fahren konnte.

Hohe Arbeitslosigkeit

Doch mit oder ohne U-Bahn – die Jobs sind noch immer rar. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 20 Prozent und ist doppelt so hoch wie im Rest der USA. Ein Grund dafür ist, dass die Restaurants seit dem Ausbruch der Pandemie etwa nur Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen – dabei ist die Branche einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Im Februar verdienten dort noch mehr als 300.000 Menschen ihr Geld. Im August waren 200.000 noch ohne Job.

Lockerung für Lokale

Die Stadt hat den Restaurants mittlerweile erlaubt, auf den Straßen Tische und Stühle aufzustellen. Dort, wo sonst Autos parken, flankieren Blumenkästen, meterhohe Grünpflanzen und Lampions die Terrassen. Das Ergebnis: Noch nie waren so viele Menschen an den Sommerabenden draußen. Normalerweise ist in den schwülen, heißen Sommermonaten Klimaanlage Trumpf.

Ab Ende September dürfen die Lokale auch drinnen aufsperren, aber nur mit 25 Prozent der Sitzplätze. Eine spezielle 400 Mann starke Einsatztruppe soll überwachen, ob Fieber gemessen wird, niemand an der Bar sitzt und die Tische zwei Meter voneinander entfernt stehen. Ab 24 Uhr ist Sperrstunde in der Stadt, die jetzt zur Abwechslung doch einmal schlafen gehen muss.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.