Saudi-Arabien: Kronprinz konsolidiert die Macht und säubert Armee

Krempelt das Land um: Kronprinz Mohammed bin Salman
Zugleich mehr Freiheiten für Frauen. Und Entertainment für alle Bürger

Er ist erst 32 Jahre alt und doch schon länger der neue starke Mann Saudi-Arabiens. Und er hat jene 70 Prozent der Landsleute im Blick, die jünger als 30 Jahre sind. An dieser Mehrheit richtet Kronprinz Mohammed bin Salman seine Politik aus: Er durchlüftet den Golfstaat, der bisher fest in der Hand einer extrem konservativen Geistlichkeit und Polit-Elite war. Die gut ausgebildete Jugend, die teilweise im Ausland studiert hat und via Internet mit der gesamten Welt verbunden ist, dankt es ihm. Allerdings gibt es auch massive Widerstände gegen den Reformeifer.

Doch Mohammed bin Salman, der auch Verteidigungsminister ist, ist wild entschlossen, sein Ding durchzuziehen und seine Macht zu konsolidieren. Jetzt tauschte er große Teile der Militärführung aus: Der Generalstabschef musste ebenso gehen wie die Kommandanten des Heeres und der Luftwaffe. Zudem räumte er auch in der Leitung der Provinzen und im Beraterstab des Königs, seines Vater Salman, auf. Andere Opponenten und Rivalen hatte er schon früher kaltgestellt.

"Weitere Schritte"

"Die gesamten Reformen sind wichtig und richtig, um den Staat, die Gesellschaft und die Wirtschaft weiterzuentwickeln. Ich rechne mit weiteren Schritten", sagte der Imam und Prediger der Großen Moschee in Mekka, Sheikh Salih Abdullah bin Humaid, im KURIER-Gespräch. Das ehemalige Mitglied im Shura-Rat, dem Gremium, das dem König beratend zur Seite steht, hielt sich zu Wochenbeginn in Wien auf – bei der zweitägigen Konferenz des Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Schon was bisher geschah, ist für Traditionalisten in Saudi-Arabien gleichsam Gotteslästerung. So sollen Frauen noch heuer Autofahren dürfen (der Wüstenstaat ist das einzige Land weltweit, in dem dies Frauen verboten ist). Das macht sie unabhängiger von ihren Gatten und männlichen Verwandten.

Auch wurden Frauen zu Jahresbeginn erstmals zu einem Fußballspiel in einem Stadion zugelassen. Zudem ist es Frauen demnächst erlaubt, eigene Unternehmen zu gründen – ohne dass zuvor ein männlicher Vormund unterschreiben muss. Das soll die Frauenquote auf dem Arbeitsmarkt (derzeit 22 Prozent) steigern – und ist auch Teil der "Vision 2030" des Kronprinzen. Ziel des ehrgeizigen Projekts: Die Abhängigkeit Saudi-Arabiens vom Ölexport zu verringern.

Entertainment

Dazu gehört auch eine Forcierung der Unterhaltungsindustrie. Nicht weniger als 52 Milliarden Euro will die Regierung in den kommenden zehn Jahren in diese Sparte stecken. Bereits im Vorjahr gab es 2000 Veranstaltungen – von Konzerten über Ausstellungen bis hin zu Comicmessen. Ende März ist ferner eine Modewoche geplant. Und in der Zukunft ist auch an Monstertruck-Spektakel gedacht.

Für die, die es lieber hochgeistig wollen: Im einstigen Land der Wüstennomaden und Fischer soll ein Opernhaus entstehen und internationale Topstars anlocken. Nach einem 35-jährigen Bann von Kinos soll nun wieder eines aufsperren.

Den Ultraorthodoxen ist das alles ein Gräuel. Denn nach deren rigider Auslegung des Koran wird jede Form der Unterhaltung, auch Musik, als unislamisch eingestuft.

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