Sanders-Wähler in Nevada ärgern sich über das "unfaire" Vorwahlsystem.

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USA
05/19/2016

Sanders’ Wähler proben den Aufstand

Die Demokraten befürchten eine wachsende Kluft innerhalb der Partei – zum Vorteil Trumps.

von Ingrid Steiner-Gashi

Eine Niederlage im Bundesstaat Oregon und ein nur hauchdünner Sieg in Kentucky – das ist die jüngste Bilanz Hillary Clintons im amerikanischen Vorwahlkampf. Dennoch ist der 69-jährigen ehemaligen Außenministerin der USA die offizielle Nominierung zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin praktisch nicht mehr zu nehmen.

Das liegt allerdings weniger an ihrer Siegesserie gegenüber ihrem parteilinken Herausforderer Bernie Sandes als vielmehr am demokratischen Vorwahl-System mit seinen sogenannten Superdelegierten: Von den aktuell 4763 demokratischen Delegierten werden 4051 von den Wählern in den einzelnen Bundesstaaten bestimmt. 712 hingegen gelten als Superdelegierte, meist sind es prominente Demokraten – sie müssen sich an kein Wählervotum binden, sondern können frei entscheiden. Und die große Mehrheit von ihnen hat sich bereits festgelegt: 461 wollen am Parteitag der Demokraten im Juli für Hillary Clinton stimmen.

Um die Ex-First-Lady schlagen zu können, hätte Sanders deshalb immer wieder mit großem Abstand siegen müssen. Die Anhänger des selbst ernannten Sozialisten empört diese "Ungerechtigkeit" des Vorwahlsystems der Demokraten zusehends. Bei einer Parteiversammlung in Nevada flogen am Wochenende erstmals Sessel. Die eher Clinton-freundliche Parteiführung des Bundesstaates wurde von empörten Sanders-Anhängern niedergebrüllt, man werde von nun an "friedlichen Widerstand" leisten, kündigten Wahlkampfhelfer des 74-jährigen Senators an.

Protest am Parteitag

Auch für den Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia haben Sanders-Anhänger Proteste angekündigt. Während der Präsidentschaftskandidat seine empörten Wähler bisher nicht beruhigen wollte, sehen führende Demokraten den Aufruhr mit wachsender Besorgnis: "Ich habe eine Botschaft an alle Wähler Bernies", sagte die angesehene demokratische Senatorin aus Kalifornien, Barbara Boxer: "Wählt den demokratischen Kandidaten mit den meisten Delegiertenstimmen. Da gibt es nichts zu protestieren."

Auf zunehmenden Druck der Parteiführung, auszusteigen und Hillary Clinton das Rennen der Demokraten allein zu überlassen, reagiert Sanders verschnupft: Das komme gar nicht in Frage, wehrte er sich, "so lange auch nur eine einzige Urne noch ausgezählt wird, bleibe ich dabei."

Für Hillary Clinton bedeutet das, sich derzeit an zwei Fronten gleichzeitig schlagen zu müssen: Gegen ihren Parteifreund Bernie Sanders, vor allem aber gegen den Republikaner Donald Trump. Dieser Kampf werde ihr stark zusetzen, fürchten ihre Anhänger. Vor allem aber zeigen die schmerzhaften Niederlagen gegen Sanders: Hillary Clintons Verwundbarkeit und eine ganz und gar nicht geschlossene Demokratische Partei gegenüber einem mit allen Wassern gewaschenen Gegner Trump.

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