Politik | Ausland
18.03.2018

Russland: Videos zeigen mehrfache Stimmabgaben

109 Millionen Menschen sind wahlberechtigt, erste Ergebnisse werden nach 19 Uhr erwartet. Am Sieg von Wladimir Putin besteht kein Zweifel, wichtig wird für ihn aber die Höhe der Wahlbeteiligung.

Bei der Präsidentenwahl in Russland herrscht nach offiziellen Angaben eine hohe Beteiligung. Bis 14 Uhr Moskauer Zeit hätten landesweit 34,7 Prozent der Wähler abgestimmt, sagte Vizewahlleiter Nikolai Bulajew am Sonntag in Moskau. Das sei in den meisten Regionen mehr als 2012. Bis 17 Uhr Moskauer Zeit (15 Uhr MEZ) sei die Wahlbeteiligung in ganz Russland auf 51,9 Prozent gestiegen, teilte die Wahlleitung mit. Die letzten Wahllokale schließen um 21 Uhr (19 Uhr MEZ).

Angesichts des ohnehin erwarteten Wahlsiegs von Amtsinhaber Wladimir Putin gilt die Wahlbeteiligung als wichtiges Indiz für die Stimmung im Land. Bei der letzten Wahl 2012 hatten 65,3 Prozent der Wähler teilgenommen. Putin siegte mit 63,6 Prozent.

Mehrfach-Stimmabgaben beobachtet

Die Angaben von Wahlbeobachtern der Opposition zur Beteiligung unterschieden sich nicht von den offiziellen Informationen. Beklagt wurden aber viele Fälle von mehrfacher Stimmabgabe. Die Videoüberwachung, die in vielen Wahllokalen installiert war, hielt auch Fälle fest, in denen Wahlzettel bündelweise in die Urnen gestopft wurden.

Putin selbst hat am Sonntag in Moskau seine Stimme abgegeben. "Ich bin überzeugt von der Richtigkeit des Programms, das ich dem Land vorschlage", sagte er der Agentur Interfax zufolge. Der 65-Jährige steuert bei der Wahl ungefährdet eine vierte Amtszeit im Kreml an, die laut Verfassung bis 2024 dauern wird.

"Keine echte Auswahl"

Die liberale Zeitung Nowaja Gaseta berichtete, Studenten in mehreren Städten sei gedroht worden, sie bekämen Probleme bei den Prüfungen oder würden von der Hochschule geworfen, wenn sie nicht zur Wahl gingen. Auch staatliche Betriebe übten - wie bereits bei früheren Wahlen - Druck auf ihre Mitarbeiter aus.

"Das sind nicht wirklich Wahlen wie in westlichen Ländern", sagte Stepan Gonscharow vom unabhängigen Umfrageinstitut Lewada. Die Russen hätten keine echte Auswahl zwischen starken Präsidentschaftskandidaten. "Wenn sie ihr Missfallen ausdrücken wollen, gehen sie nicht hin", sagte Gonscharow. Die Umfrageinstitute rechneten mit einer Wahlbeteiligung zwischen 63 und 67 Prozent.

Erste Ergebnisse nach Wahlschluss in Exklave

Er stelle keine Ansprüche daran, wie hoch sein Sieg ausfalle, sagte Putin. Er werde mit jeder Prozentzahl an Stimmen zufrieden sein, "die es erlaubt, die Aufgaben des Präsidenten zu erfüllen".

Traditionell gibt der Kremlchef seine Stimme in einem Wahllokal in der Russischen Akademie der Wissenschaften ab. Erste Auszählungsergebnisse werden nach Schließung der Wahllokale in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad nach 19.00 Uhr MEZ erwartet.

Depardieu wählte

Ein berühmter russischer Staatsbürger hat am Sonntag in Frankreich bereits seine Stimme für die Präsidentschaftswahl abgegeben: Der französische Filmstar Gerard Depardieu wählte in der russischen Botschaft in Paris. Die Botschaft twitterte ein Foto, das den schwergewichtigen Schauspieler im pelzbesetzten Mantel und mit hochgeschobener Sonnenbrille zeigt, wie er seinen Stimmzettel in die Wahlurne steckt.

Der Reporter Lucas Leger des russischen Fernsehsenders RT verbreitete ebenfalls im Kurzmitteilungsdienst Twitter ein Video des Schauspielers, der äußerst genervt auf einen Interviewversuch am Rande der Stimmabgabe reagiert. "Gerard Depardieu mag es nicht, wenn man ihn dabei stört, wie er seine Pflicht als russischer Bürger tut", kommentierte der Journalist.

Auf der Flucht vor einem damals in Frankreich drohenden Spitzensteuersatz von 75 Prozent hatte Depardieu 2013 die russische Staatsbürgerschaft angenommen, die ihm Putin persönlich angeboten hatte.

Auch auf Krim wird gewählt

Die Präsidentschaftswahl findet am vierten Jahrestag der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim statt. Erstmals nehmen diesmal auch die Bürger auf der Krim an der Wahl teil. Die Regierung in Kiew will aus Protest dagegen die Stimmabgabe in den russischen Vertretungen in der Ukraine verhindern. Überschattet wird die Wahl durch den Konflikt mit dem Westen nach dem Giftanschlag auf einen Ex-Agenten in Großbritannien.

Zwischen Kriegsschiffen und Koalas: Putins Präsidentschaft in Bildern

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Mit nacktem Oberkörper lassen sich nur die wenigsten Politiker fotografieren. Putin hier beim Angeln in Sibirien.

Vor 18 Jahren: Putin besichtigt ein russisches U-Boot.

Gut gelaunte Staatschefs: Der ehemalige US-Präsident George W. Bush, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Putin bei einem Tratsch am Rande des G8 Gipfels 2007.

Beim Besuch der Militärischen Nachrichtenzentrale griff Putin 2006 auch selbst zur Waffe.

Beim Besuch eines Kinder-Hämatologie-Zentrums posiert Putin 2016 mit betroffenen Kindern.

Wenn ein Staatschef Urlaub macht: Putin beim Schwimmen in den sibirischen Bergen.

Speisen mit Skepsis. 2011 war der Präsident von seinem Dinner wohl nicht begeistert.

Men in Black: Putin und der ehemalige ägyptische Präsident Abdel-Fattah el-Sissi besuchen einen Lenkwaffenkreuzer im Schwarzen Meer.

2016 brachte der turkmenische Präsident ein außergewöhnliches Geschenk mit: Der kleine Hund wurde vom sonst so steifen Präsidenten ausführlich geherzt.

Beim G20 Gipfel im Australien 2014 nutzte Putin die Gelegenheit, einen Koala näher kennenzulernen.

Von den anderen abgewandt: Putin bei einer Kranzniederlegung zum Tag der Verteidiger des Vaterlandes am Grabmal eines unbekannten Soldaten an der Kremlmauer 2017.

Auch Putin feiert Weihnachten. Am 7. Jänner 2017 zündet er im Kloster zum Heiligen Georg in Nowogorod eine Kerze an.

Den Weltfrauen Tag beging Putin heuer mit einem Besuch in einer Gebäck-Fabrik.

Prost! Putin bei einem Empfang für Militärangehörige, die ihren Dienst in Syrien verichteten.