Trump-Besuch: Selenskij sucht Heil zwischen Drohnen und Diplomatie
Trump und Selenskij beim NATO-Gipfel in Ankara
Die gegenseitigen Angriffe zwischen Russland und der Ukraine gingen auch in der Nacht auf Montag mit unverminderter Härte weiter - mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten.
Dank ihrer fortschrittlichen Drohnen-Technologie kann die Ukraine mittlerweile auch Energieanlagen oder Raffinerien weit im Landesinneren Russlands angreifen - beispielsweise die größte Raffinerie des Landes im sibirischen Omsk. Die Drohnenangriffe eine Treibstoffkrise in Russland ausgelöst.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ist klarerweise bemüht, dieses Kriegsmomentum aufrechtzuerhalten, um Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen. Gleichzeitig muss er versuchen, seine bisherigen Partner und Unterstützer im Westen bei der Stange zu halten.
„Wir haben der russischen Führung alle notwendigen Vorschläge unterbreitet, um den Krieg mit einem ehrenvollen Frieden zu beenden“, schrieb Selenskij am Sonntag nach der Kommandantensitzung auf Facebook. Die Partner Kiews seien informiert. Nunmehr trage das ukrainische Vorgehen aus seiner Sicht dazu bei, „die Voraussetzungen für echte Diplomatie zu schaffen“.
Treffen in London
Am Montag besucht Selneskij den neuen britischen Premier Andy Burnham. Er ist der erste ausländische Staatsgast, den der frisch gebackene britische Regierungschef empfängt. Allerdings nicht in der Downing Street - sondern auf einem Marinestützpunkt.
Dort treffen sie auch britische und ukrainische Militärangehörige, die an der Ausbildung ukrainischer Streitkräfte beteiligt sind. Rund 200 ukrainische Soldaten und Seeleute nahmen zuletzt in Großbritannien an Übungen zur Sicherheit auf See und zur Minenabwehr teil.
„Großbritannien steht Seite an Seite mit der Ukraine, und unsere Unterstützung bleibt ungebrochen“, erklärte Burnham im Vorfeld des Treffens. „Russland sollte keinen Zweifel an unserer Entschlossenheit haben, und wir werden nicht nachgeben, bis wir einen dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine erreicht haben.“ Auch Burnhams Vorgänger Keir Starmer stand fest auf der Seite der Ukraine-Unterstützer.
Großbritannien will der Ukraine auch die Rechte an einer neuen Technik zur elektronischen Störung russischer Luftabwehrsysteme überlassen. Das an Drohnen befestigte Gerät mit dem Namen „Stone Cloak“ soll deren Ortung und Bekämpfung erschweren. Tausende der Geräte wurden nach britischen Angaben bereits an die Ukraine geliefert.
Schon am Dienstag wird Selenskij im Weißen Haus erwartet. Inwieweit US-Präsident Donald Trump derzeit einen Kopf für die Sorgen der Ukraine hat, ist unklar. Am selben Tag trifft er sich auch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und für Washington steht natürlich der Krieg mit dem Iran im Vordergrund - obwohl zurzeit eine Feuerpause herrscht.
Atmosphärisch dürfte sich das Verhältnis zwischen Trump und Selenskij gebessert haben. Das letzte Treffen der beiden Politiker war beim NATO-Gipfel in Ankara Anfang Juli. Verantwortlich dafür dürfte Selenskijs Treffen mit der rechtsgerichteten US-Influencerin und Trump-Unterstützerin Laura Loomer gewesen sein. Trump kommentierte das Treffen danach mit einem knappen „very good“. Loomer selbst hat ihre Haltung gegenüber der Ukraine offenbar geändert. Sie sagt: „Das ist der Alltag für jeden Ukrainer. Ich komme mir wie ein totales Arschloch vor, weil ich den Kampf der Ukrainer in den vergangenen fünf Jahren kleingeredet habe.“
Wenn Selenskij mit Trump spricht, könnte es freilich auch um den Iran gehen. Der Ukrainer sagte zuletzt, dass Russland dem Iran helfe, indem Moskau Tehearn Daten aus Satellitenbeobachtungen zur Verfügung stelle. Dies ermögliche dem Iran Angriffe auf die US-Militäreinrichtungen in den Golfstaaten.
Laut Selenskij „besteht ein klarer Zusammenhang zwischen den russischen Satellitenbildern dieser Standorte und den iranischen Angriffen – sowohl vor den Angriffen, bei deren Vorbereitung, als auch danach, um den verursachten Schaden zu bewerten.“
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