Politik | Ausland
29.05.2018

Angeblicher Mord an Journalist - Streit zwischen Moskau und Kiew

Der im Exil lebende 41-Jährige war einer der bekanntesten russischen Kriegsberichterstatter und Kreml-Kritiker.

+++ UPDATE: Die Meldung über die Ermordung des Journalisten Arkadi  Babtschenko hat sich am 30. 5. als falsch erwiesen. Babtschenko trat am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU auf. +++

Der regierungskritische russische Journalist und Kriegsreporter Arkadi Babtschenko (41) ist in Kiew erschossen worden. Das bestätigte am Dienstagabend eine Sprecherin der ukrainischen Polizei. Seine Frau habe ihn mit Schussverletzungen im Rücken gefunden.

Babtschenko sei von einem Einkauf zurückgekehrt, berichtete der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko. Ein Killer habe ihm im Treppenhaus vor der Wohnung aufgelauert und ihn in den Rücken geschossen. Wie der Sender ATR auf Facebook mitteilte, sei Babtschenko daraufhin im Krankenwagen gestorben.

Zum Mord aufgerufen

Babtschenko sei vermutlich wegen seiner journalistischen Arbeit getötet worden, erklärte die ukrainische Polizei. Auf Twitter hatte Babatschenko einen Tag vor seinem Tod geschrieben: "Wenn eine Vertrauensperson des Präsidenten öffentlich dazu aufruft, dich umzubringen“, schreibt Julian Hans, Moskau-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Babtschenkos Kollegen bei ATR machten Russland für die Bluttat verantwortlich.

Auch der ukrainische Ministerpräsident Wladimir Groisman hatte in sozialen Medien geschrieben, er sei überzeugt, dass "Russlands totalitäre Maschinerie" Babtschenko nicht verziehen habe. Anton Geraschtschenko, ein Berater des Innenministers, schrieb auf Facebook, das "Regime" von Präsident Wladimir Putin nehme diejenigen ins Visier, die nicht gebrochen oder eingeschüchtert werden könnten.

Diese Vorwürfe bezeichnete der russische Außenminister Sergej Lawrow im Gegenzug als Teil einer anti-russischen Kampagne. "Gipfel des Zynismus", nannte sie der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow.

Kritische Berichterstattung

Babtschenko wurde mit 18 Jahren zum russischen Militärdienst eingezogen. Als Soldat kämpfte er im Tschetschenien-Krieg. Nach seiner Rückkehr nach Russland studierte er Jus und arbeitete als Journalist für die russische Zeitung Nowaja Gaseta. In seinem Buch "Die Farbe des Krieges" schilderte er die Brutalitäten in der russischen Armee sowie im Kampf gegen die Rebellen.

Nachdem er die russische Ukraine- und Syrien-Politik kritisiert hatte, hatte Babtschenko Russland Anfang 2017 verlassen, weil sich Drohungen gegen ihn und seine Familie häuften. So soll etwa seine Wohnanschrift veröffentlicht und „Besuch“ angekündigt worden sein, außerdem habe es ein Online-Spiel gegeben, bei dem Spieler „Feinde des Vaterlandes“ wie Babtschenko zusammenschlagen sollten. In seiner Wahlheimat Kiew arbeitete er später unter anderem für den krimtatarischen TV-Sender ATR.

Dritter Journalistenmord in vier Jahren

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zeigte sich nach der Tat besorgt. In Kiew ist es der dritte aufsehenerregende Mord an einem Journalisten in vier Jahren. 2016 tötete eine Autobombe den russischen Journalisten Pawel Scheremet, ebenfalls einen Exilanten und Kritiker der Moskauer Führung. 2015 wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Beide Fälle sind bis heute ungeklärt.

In Moskau forderte das Außenministerium eine Aufklärung des Mordes, das russische Staatliche Ermittlungskomitee leitete eigene Untersuchungen ein.

Moskau kritisiert Kiew derzeit verstärkt, weil die Ukraine den Vertreter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, Kirill Wyschinski, seit Mai in Untersuchungshaft hält. Die Ukraine stuft seine prorussische Berichterstattung als Landesverrat ein.