Politik | Ausland
05.12.2011

Rom: Mit Sparpaket gegen Spekulanten

Wirtschaftswissenschafter bezweifeln, dass Berlusconi das Vertrauen der Finanzmärkte gewinnen kann.

D er Waggon Italien hat sich vom EU-Zug abgekoppelt und ist Richtung Griechenland unterwegs. Wir folgen nicht mehr wie früher der Lokomotive von Deutschland, ein Land, das wächst", beschreibt Ökonom Giacomo Vaciago die Lage Italiens. Finanzspekulation sei zwar eine hässliche Sache, die aber immer recht habe. "Diesmal haben die Spekulanten der Regierung Berlusconi misstraut und kein Italiener könnte sagen, dass das verkehrt ist", so Vaciago.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano will das so nicht hinnehmen und plädierte Anfang der Woche für Zusammenhalt: Er forderte einen parteiübergreifend schlüssigen Plan, um dem Misstrauen an den Finanzmärkten zu begegnen.

Verunsicherung

In der Bevölkerung wächst indessen die Sorge. "Natürlich herrscht Verunsicherung, nachdem der Druck der Finanzmärkte deutlich zugenommen hat", sagt Stefania Ambrosi. Die 42-Jährige hat vor Jahren ihre Heimatregion Lombardei verlassen und sich mit einer PR-Agentur in Rom selbstständig gemacht. Das Problem sei die große Kluft zwischen dem Norden und dem Süden des Landes, meint sie: "Das Wirtschaftswachstum Norditaliens entspricht den EU-Standards, während der Süden leider komplett lahmliegt." Die Verantwortung für die hohe öffentliche Verschuldung tragen laut Ambrosi alle Regierungen der vergangenen Jahrzehnte mit ihrer Korruption und Vetternwirtschaft.

Mit einem 47 Milliarden Euro schweren Sparpaket will Rom jetzt gegensteuern. Das von Finanzminister Giulio Tremonti geschnürte, milliardenschwere Sparpaket zur Eindämmung der Staatsschuld soll bereits morgen, Donnerstag, verabschiedet werden. "Dies festigt Italien vor spekulativen Attacken", hofft Industriellenchefin Emma Marcegaglia.

Angesichts der Finanz-Attacken gegen Italien erklärte am Nachmittag auch die Oppositionspartei PD, dem Paket zuzustimmen. Während Premier Berlusconi meinte, "Wir können diese Situation überwinden", kündigten Gewerkschaften bereits Proteste an.