Politik | Ausland
07.04.2018

Erdogan greift nach Vorfall von Münster Macron an

Türkischer Präsident wollte Amokfahrer von Münster offenbar mit YPG in Verbindung bringen.

Entweder, es handelt sich um ein besonders unglückliches Missverständnis - oder der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat tatsächlich den tödlichen Vorfall in Münster für einen verbalen Angriff auf den französischen Amtskollegen genutzt. So oder so - die jüngste Attacke Erdogans auf Emmanuel Macron entbehrt jeglicher Grundlage. 

"Da, Ihr seht doch, was die Terroristen in Deutschland machen, oder?", sagte Erdogan am Samstag im westtürkischen Denizli nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

"Das wird auch in Frankreich geschehen. Ihr werdet sinken, solange der Westen diese Terroristen nährt", sagte Erdogan. Kurz zuvor war in Münster ein Kleintransporter in eine Menschenmenge gerast, es gab mehrere Verletzte und Tote. Die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen nicht von einem Terroranschlag aus. Der Täter soll ein psychisch labiler deutscher Staatsbürger ohne Migrationshintergrund sein. Erdogan schien sich auf diesen Vorfall zu beziehen, nannte allerdings weder weitere Details noch die Stadt Münster.

Hintergrund für Erdogans Angriff auf Macron ist, dass dieser kürzlich eine Delegation mit Vertretern der syrischen Kurdenmiliz YPG im Elysee-Palast empfangen hatte. Erdogan sagte: "Frankreich, Du leistest dem Terrorismus Beihilfe, unterstützt ihn und empfängst dann Terroristen im Elysee-Palast." Frankreich werde die Geißel des Terrorismus auf diese Art nicht loswerden.

 

Internationale Solidarität

Die tödliche Attacke mit einem Kleintransporter im nordrhein-westfälischen Münster sorgte weltweit für Aufsehen. "Wir trauern mit Münster", erklärte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Samstag in Brüssel. "Frankreich teilt das Leid Deutschlands", schrieb Emmanuel Macron auf Twitter.

Beide betonten, dass ihre Gedanken bei den Opfern und den Angehörigen seien. Zuvor hatten auch der katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont, der wegen eines laufenden Auslieferungsverfahrens in Deutschland gestrandet ist, sowie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ihr Mitgefühl geäußert.

Wieder mit Lkw

Am Samstagnachmittag war in der Innenstadt von Münster ein Kleintransporter in eine Menschenmenge gefahren. Nach jüngsten Angaben wurden dabei zwei Menschen getötet. Etwa 20 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Der mutmaßliche Täter erschoss sich selbst. Bei dem Mann handelt es sich laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul um einen Deutschen. Nach seinen Angaben spricht "im Moment nichts dafür, dass es irgendeinen islamistischen Hintergrund gibt".

Eine ähnliche Tat hatte im Juli 2016 im südfranzösischen Nizza 86 Todesopfer gefordert. Zudem wurden mehr als 200 Menschen verletzt, als ein 31-Jähriger am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Der IS reklamierte die Tat für sich.