Politik | Ausland
27.05.2017

Religionskrieg im Süden der Philippinen

Duterte: "IS ist unter uns".

Helikopter umkreisen die Stadt, Feuerstöße und Explosionen sind zu hören, Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. In der philippinischen Stadt Marawi herrscht seit Dienstag Krieg. Etwa 100 Mitglieder der islamistischen Terrororganisationen Abu Sayyaf und Maute fielen in die Stadt ein, zündeten Kirchen und Polizeigebäude an, erschossen Polizisten und nahmen dutzende Zivilisten als Geiseln.

Am örtlichen Krankenhaus hissten die Islamisten die schwarze Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat", der Abu Sayyaf vor drei Jahren die Treue geschworen hatte. Grund für den Angriff war eine Militäroperation der philippinischen Arme – diese wollte den islamistischen Prediger Isnilon Hapilon fassen, der als Anführer der Abu Sayyaf gilt und auf den das FBI fünf Millionen Dollar ausgesetzt hat. Die Mission scheiterte, Hapilon rief seine Verbündeten zu Hilfe, der Kampf begann. Trotz massiver Verstärkung ist es den Regierungstruppen noch nicht gelungen, die 200.000 Einwohner-Stadt wieder unter Kontrolle zu bekommen – noch finden blutige Häuserkämpfe statt.

Nach Regierungsangaben kamen bis jetzt 46 Menschen ums Leben, darunter 31 Islamisten. Laut einem Armeesprecher waren unter den toten Terroristen sechs ausländische Kämpfer, was nahelege, dass die Organisationen stark mit dem internationalen Dschihadismus vernetzt seien. "Der IS ist nun unter uns", sagte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte am Freitag und beschwor die Bevölkerung, die Armee zu unterstützen.

Kriegsrecht verhängt

Bereits am Dienstag hatte er in der Provinz Mindanao, wo Marawi liegt, das Kriegsrecht verhängt. Dazu sprach Duterte die drastischen Worte: "Wenn ihr Terroristen meine Bürger tötet, werdet ihr sterben. Wenn ihr weiterhin Widerstand leistet, werdet ihr sterben. Und wenn das heißt, dass viele Menschen sterben werden, dann ist das eben so." Die südphilippinische Provinz ist seit Jahrzehnten Schauplatz von Gefechten zwischen der Armee und islamistischen Terrororganisationen, die für die Unabhängigkeit vom katholischen Norden kämpfen. Dass Duterte das Kriegsrecht ausgerufen hat, ruft bei vielen Bürgern schlechte Erinnerungen hervor – Ferdinand Marcos, der ehemalige Diktator der Philippinen, hatte sich 1972 mit diesem Schritt zum Diktator aufgeschwungen.

"Seit Marcos reagieren wir allergisch auf Kriegsrecht, Viele fragen sich, warum Duterte es über die gesamte Provinz verhängt hat und nicht nur über Marawi", sagt die philippinische Studentin Lei. Sie selbst hofft darauf, dass Duterte das Vertrauen der Bevölkerung nicht ausnützt und das Kriegsrecht nach 60 Tagen wieder aufhebt.