Wladimir Putin will sich erst morgen zum Rubelverfall äußern.

© REUTERS/AHMAD MASOOD

Russland
12/17/2014

Rubelverfall: Der Präsident gibt sich schweigsam

Russland stöhnt, der Präsident wartet ab. Währenddessen wurde er zum "Mann des Jahres" gewählt.

Jahrelang war der Euro-Rubel-Kurs bei etwa 1:45 gewesen – seit kurzem aber fällt die russische Währung ins Bodenlose. Die Blitzaktion, den Leitzins von 10,5 auf 17 Prozent anzuheben, scheint nichts gebracht zu haben – seit Tagen bilden sich Schlangen vor den Banken, ebenso vor Supermärkten. Man hamstert, um bei einem weiteren Preisverfall noch günstiger gekauft zu haben. Am Mittwoch brachten Devisenverkäufe der Regierung kurze Entspannung (mehr dazu lesen Sie auf unseren Wirtschaftsseiten).

Der Kreml ist dazu allerdings auffallend schweigsam, seine Geldpolitik will man nicht kommentieren. „Spezielle Aussagen dazu sind nicht geplant“, lässt Putin-Sprecher Dmitrij Peskow über das Wirtschaftsblatt Kommersant ausrichten. Für Freitag sei eine Pressekonferenz anberaumt, wo Putin zum Rubelverfall Stellung nehmen wird – einstweilen sei er in ständigem Kontakt mit seinen Ministern.

Angst vor Renaissance von 1998

Die Führung in Moskau wirkt komplett ratlos. Man hat Angst vor Zuständen wie bei der letzten großen 1998 – bereits jetzt räumen viele Russen ihre Konten, konvertieren ihr Erspartes in ausländische Währungen. Und die Händler gehen, ganz wie damals, dazu über, die Preise nicht mehr in Rubel, sondern in „Standardeinheiten“ anzugeben – auf den Preisschildern steht y.e., die Summen sind äquivalent zu Dollar oder Euro. In den 1990ern war diese Praxis gang und gäbe, nun ist sie eigentlich verboten – doch sie verhindert das ständig neue Auspreisen von Waren, die Händler für harte Währung im Ausland eingekauft haben.

Das Schweigen des Kreml mag auch damit zu tun haben, dass Putin und seine Gefolgschaft sich davor fürchten, mit der wirtschaftlichen Stabilität auch den Einfluss zu verlieren - Putin verdankt seine Popularität der vergangenen Jahre vor allem einem wachsenden Wohlstand. Passend deshalb auch der Zeitpunkt, an dem das staatsnahe Meinungsforschungsinstitut FOM den Mann des Jahres gekürt hat: Wladimir Putin ist von seiner Bevölkerung mit 68 Prozent zur wichtigsten Person 2014 gewählt worden – zum 15. Mal in Folge.

Rücktrittsforderungen

Vielleicht ist das nun aber auch der Zeitpunkt, an dem die Stunde der innerhalb Russlands sonst wenig wahrgenommene Opposition schlagen könnte – zumindest die Rufe nach einem Rücktritt von Regierungschef Dmitri Medwedew, der für die Wirtschaftspolitik und das Investitionsklima verantwortlich ist, werden lauter.

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