Putin & Erdogan: Was sie eint, was sie trennt

Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan bei einem ihrer letzten Treffen im November 2015.
Nach einer achtmonatigen Eiszeit treffen sich am Dienstag Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin in St. Petersburg. Was die beiden eint und was sie trennt.

Wenn am Dienstag der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg trifft, geht es um mehr als nur Versöhnung nach einer achtmonatigen Eiszeit – damals wurde ein russischer Kampfjet durch das türkische Militär abgeschossen. Worüber die beiden mächtigen Männer im Detail reden werden, ist noch nicht bekannt, aber "es ist das erste Treffen seit dem Zusammenbruch unserer Beziehungen. Es wird also mehr als genug Themen geben", heizte Kremlsprecher Dmitri Peskow bereits im Vorhinein die Erwartungen an. Erwartet werden unter anderem Gespräche über den Syrien-Konflikt, den Putschversuch in der Türkei und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ebenso könnte es um eine neue Allianz gehen. Besondere Brisanz erhält das Treffen dadurch, dass es die erste Auslandsreise von Erdogan nach dem Putschversuch ist. Bisher waren sich die beiden Herren nicht immer einig. Ein Überblick.

Der Blick auf den Westen

Sowohl Erdogan als auch Putin haben kein großes Vertrauen in den Westen. Während Putin dem Westen vorwirft, die Krise in der Ukraine provoziert zu haben und die Wirtschaftssanktionen zur Begrenzung des russischen Einflusses zu benutzen, bezeichnet Erdogan den Westen öffentlich als Unterstützer des Terrors. In diesem Punkt verstehen sich die beiden Herren also.

Die Türkei nach dem Putschversuch

Während westliche Politiker kritisch gegenüber den Umgang Erdogans nach dem Putschversuch reagieren, verzichtet der Kreml auf kritische Worte. Im Gegenteil. Bereits in der Nacht des Putschversuchs erklärte Putin als erster Staatschef überhaupt seine Solidarität mit Erdogan und wetterte gegen die Putschisten. Sie sind sich also auch in diesem Punkt einig.

Syrien-Konflikt

Bei dem Konflikt in Syrien haben Putin und Erdogan hingegen nichts gemeinsam. Während die Regierung in Moskau den Machthaber Baschar al-Assad unterstützt, ist dieser der Türkei ein Dorn im Auge. Mehr noch, Erdogan würde ihn am liebsten so schnell wie möglich loswerden. Besonders brisant zeigen sich diese unterschiedlichen Positionen in Aleppo. Während die Türken hinter den Rebellen stehen, kämpfen auf der anderen Seite syrische Regierungstruppen mit der Unterstützung Russlands.

Wirtschaft

Das Treffen am Dienstag hat natürlich auch – bzw. vor allem - wirtschaftliche Gründe. Denn nach Deutschland ist die Türkei der größte Abnehmer von russischem Gas – einem dem wichtigsten Exportgut Russlands. Aus Sicht der EU ist dabei besonders das Pipeline-Projekt Turkish Stream durch das Schwarze Meer nach Südeuropa interessant, da die Pipeline vom russischen Küstenort Anapa über die Türkei bis nach Griechenland weitergebaut werden soll.

Ein zweiter wichtiger Punkt, der die beiden verbindet, ist das bilaterale Atomkraftwerk Akkuyu, das Russland derzeit an der Südküste der Türkei baut. Das Vorhaben hat Moskauer Medien zufolge ein Volumen von rund 20 Milliarden US-Dollar. Nach Fertigstellung betreibt Moskau den Reaktor vorerst selbst und hat von Ankara lukrative Zusagen für die Stromabnahme erhalten.

Umgekehrt ist Russland für die Türkei ein bedeutender Markt für Obst- und Gemüse-Export. Und auch im Bereich des Tourismus würde sich die Türkei freuen, wieder mehr russische Gäste begrüßen zu dürfen. Vor der Krise gehörten diese zu den wichtigsten Urlaubergruppen überhaupt. Nachdem Moskau die Charterflüge nach dem Abschuss des Kampfjets einstellte, brachen die Besucherzahlen fast völlig ein. Im Juni ging die Zahl verglichen mit dem Vorjahresmonat um 93 Prozent zurück. Es würden also beide Parteien von einem guten Verhältnis profitieren.

Kommentare