Politik | Ausland 05.12.2011

Prozess gegen Breivik erst 2012

© Bild: Reuters/WOLFGANG RATTAY

Die Anklage gegen den Attentäter wird dauern. Indes wurden neue Details zur Verhaftung bekannt: Schießbefehl war schon ausgesprochen.

Die Norweger wollen die Ereignisse von Oslo und Utøya nicht überstürzt vor Gericht behandeln. Der Prozess gegen den geständigen Attentäter Anders Behring Breivik wird nicht nicht vor dem kommenden Jahr beginnen. Er hoffe, dass der Prozess "im Laufe des kommenden Jahres" stattfinden könne, sagte Staatsanwalt Tor Aksel Busch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NRK. Die Anklage gegen Breivik werde nicht vor Ende des Jahres fertig sein. Erst danach könne ein Termin für das Verfahren genannt werden. Die Ermittlungsarbeiten seien sehr umfangreich, sagte eine Stellvertreterin des Staatsanwaltes. "Die Polizei braucht Zeit."

Die Polizei kündigte indes das nächste Verhör Breiviks für Freitag an. Breivik werde dabei zunächst mit dem Protokoll des rund siebenstündigen Erstverhörs vom vergangenen Samstag konfrontiert werden, so die Polizei.


Breivik erschoss am vergangenen Freitag in einem Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF mindestens 68 Menschen. Bei einer von ihm zuvor ausgelösten Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel wurden acht Menschen getötet.

Schießbefehl zurückgenommen

Im Gefängnis Ila wartet Breivik auf seinen Prozess
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Unterdessen werden aus Polizeikreisen immer mehr Details über die Festnahme publik: Sekunden vor der Verhaftung Breiviks auf Utøya sollte er durch Schüsse unschädlich gemacht oder getötet werden. Wie die norwegische Nachrichtenagentur NTB am Donnerstag berichtete, hatten Angehörige der Eliteeinheit bereits auf Breivik angelegt. Als sich einer der Polizisten sicher war, dass der 32-Jährige unbewaffnet war, wurde der Schießbefehl in letzter Sekunde zurückgenommen. Ausschlaggebend sei gewesen, dass Breivik keinen Sprengstoff am Körper trug, hieß es. Der Attentäter kam mit erhobenen Armen auf die Beamten zu. NTB berichtete außerdem, dass er schon kurz nach seiner Festnahme versuchte, mit der Polizei zu "verhandeln". Er sei mehrere Stunden in einem Haus auf der kleinen Fjordinsel festgehalten worden, ehe ihn die Polizei in die Osloer Zentrale brachte.

Breivik schon in Oslo identifiziert

Im Gefängnis Ila wartet Breivik auf seinen Prozess
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Die Zeitung Aftenposten meldete, dass die Polizei Breivik auf Überwachungskameras im Osloer Regierungsviertel schon vor Beginn des Massakers auf Utøya als Täter identifizieren konnte. In Oslo hatte er einen gemieteten Kleintransporter mit 500 Kilogramm Sprengstoff geparkt, ehe er in einem anderen Mietwagen zur 40 Kilometer entfernten Insel Utøya weiterfuhr.

"Keine Beweise" für weitere "Zellen"

Geheimdienstchefin Janne Kristiansen bezweifelte unterdessen die Angaben Breiviks, Kontakte zu zwei "Zellen" in Norwegen und weiteren im Ausland gehabt zu haben. Es gebe "keine Beweise" für deren Existenz, sagte sie der BBC. Auch an eine mögliche Geisteskrankheit des 32-Jährigen glaubt Kristiansen nicht: "Meiner Meinung nach ist er durchaus ein zurechnungsfähiger Mensch." Er sei konzentriert und berechnend und habe über Jahre hinweg an seinen Plänen gefeilt. All das passe nicht zu einem Verrückten.

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Erstellt am 05.12.2011