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© APA/AFP/GETTY IMAGES/Brandon Bell / Brandon Bell

Politik Ausland
08/26/2020

Proteste in Kenosha: Der ewige schwarz/weiße Teufelskreis

"Black Lives Matter"-Demo seit dem Wochenende. Autos brennen, Menschen sterben – und die Gesellschaft rückt weiter auseinander.

Ein anderer Name, ein anderer Ort, doch die Story bleibt gleich. In diesem Fall ist der Name Jacob Blake, der Ort Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin. Der Afroamerikaner Blake wurde am Sonntag von mehreren Kugeln aus der Pistole eines namentlich nicht bekannten weißen Polizisten getroffen. Blake überlebt schwerst verletzt.

Das Drehbuch bleibt das gleiche wie in den jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen schwarze US-Amerikaner: Auf den Straßen kommt es zu spontanen Demonstrationen, die Proteste werden gewalttätig, die Familie tritt öffentlich auf und ruft zu friedlichen Kundgebungen auf, Tränengas, Ausgangssperre, Notstand – das ganze Programm.

Dass die Nationalgarde in einem solchen Fall hinzugezogen wird, hatte im Juni nach dem Einsatz in Washington noch für Aufsehen gesorgt. Diesmal gab es zwar noch Diskussionen, doch die Debatte war bald beendet.

Kenosha, Wisconsin, 23. August

Ein Video zeigt, wie der 29-jährige Blake auf ein Auto zugeht, gefolgt von zwei Polizisten, die ihre Pistolen aus  auf seinen Rücken richten. Als Blake die Tür des Autos öffnet, in dem laut Anwalt drei seiner Söhne im Alter von drei, fünf und acht Jahren saßen, schießt einer der Beamten mehrmals auf ihn.

Gewalt und Plünderungen
Hunderte Menschen sind am Mittwoch den vierten Tag in Folge in der 100.000-Einwohner-Stadt auf die Straßen gegangen, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Die Proteste wurden von Brandstiftung und Plünderungen begleitet.

Die Nationalgarde sei „bereit, willig und mehr als fähig. Beenden Sie das Problem schnell“, twitterte Trump am Dienstag in Richtung Tony Evers, dem demokratischen Gouverneur von Wisconsin. Denn einsetzen muss die Milizsoldaten der Chef des jeweiligen Bundesstaates, der auch deren Oberbefehlshaber ist.

Seit Dienstag gilt in Kenosha der Notstand, 250 Soldaten der Nationalgarde patrouillieren seither – zu wenige, wenn es nach Trump geht.

Zuvor waren an mindestens 30 Orten in Kenosha Feuer gelegt worden, Schäden an etlichen Gebäuden verursacht, angefangen von eingeschlagenen Scheiben. Evers musste sich die Kritik anhören, auf Plünderungen und Brandstiftungen nicht energisch genug reagiert zu haben.

Wiederholter Ablauf

Spätestens seit den Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis ist die Stimmung bundesweit angespannt, es zu erschreckenden Eskalationen. Das Thema hat längst den Wahlkampf aufgeheizt.

„Wir können nicht zulassen, dass der Ablauf sich immer wiederholt“, sagte Evers, der stark unter Druck steht. „Wir können nicht weiter diesem Weg von Zerstörung und Verwüstung nachgehen“, versuchte er zu deeskalieren.

Doch die Proteste in der Kleinstadt dürften längst aus dem Ruder geraten sein, als Evers das sagte. Denn mindestens drei Menschen sind am Mittwoch in den frühen Morgenstunden angeschossen worden. Zwei von ihnen starben. Ein weiterer soll schwer am Arm verletzt sein.

Ermittelt wird Medienberichten zufolge, ob die Schüsse im Zusammenhang mit der Anwesenheit bewaffneter weißer Milizen in der Stadt standen. In den sozialen Medien verbreitete sich das Gerücht, dass ein 17-Jähriger geschossen haben soll.

War Blake bewaffnet?

Der schwer verletzte Jacob Blake ist mittlerweile bei Bewusstsein. Bis zuletzt soll er laut Aussagen der Familie allerdings nicht gewusst haben, dass sein Fall bundesweit für Aufsehen und Demonstrationen gesorgt hat. Der sechsfache Vater wird wohl nicht mehr gehen können – Wirbelsäule, Leber und Darm seien durch die Schüsse schwer beeinträchtigt, sagte Menschenrechtsanwalt Ben Crump, dessen Team eine Klage gegen die Polizei von Kenosha vorbereitet.

Die Justizbehörde von Wisconsin ermittelt. Bisher wurden weder die Namen der Polizisten, noch die Ereignisse vor den Schüssen veröffentlicht. Die Polizei sei zu einem „häuslichen Streit“ gerufen worden, hieß es. Laut Blakes Anwalt soll sein Mandant einen Streit zwischen zwei Frauen geschlichtet haben.

Der 22-Jährige, von dem das Video des Einsatzes stammt, sagte in einem Statement, dass die Beamten wiederholt „Lassen Sie das Messer fallen“ zu Blake gesagt haben sollen. Ein Messer in Blakes Hand will der junge Mann aber nicht gesehen haben.

"Trumps Anruf verpasst"

Blakes Mutter Julia Jackson rief zultetzt zu friedlichen Protesten auf, richtete ihr Wort aber auch an den Präsidenten: „Es tut mir leid, dass ich Ihren Anruf verpasst habe“, sagte sie öffentlich. „Denn hätte ich das nicht, wäre Ihre Reaktion vielleicht eine andere.“

Trump hatte zunächst nichts über Blake gesagt, doch sein Sohn Donald Jr. retweetete zuletzt den Kommentar eines konservativen Journalisten, der auf frühere Straftaten Blakes hinwies, darunter häusliche Gewalt und Widerstand gegen Polizeibeamte.

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