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Politik Ausland
01/22/2021

Premier Johnson zwischen Corona-Zuckerl und Lockdown-Rute

Die Angst lässt nach, die Zahlen bleiben hoch. Tausende Pubs, Bars, Restaurant machten dicht.

von Georg Szalai

Zuckerbrot und Peitsche – das ist Boris Johnsons neueste Strategie im Kampf gegen Corona. So deutete der britische Premier Ende der Woche an, dass der dritte Lockdown in England bis zum Sommer verlängert werden könnte. Und seine Regierung kündigte neue 800 Pfund (900 Euro) Erststrafen für Teilnehmer von illegalen Lockdown-Hausparties an; bisher wurden nur Gastgeber zur Kasse gebeten.

Ebenso viel Aufsehen erregten am Freitag Berichte, wonach Menschen, die Corona-positiv getestet wurden 500 Pfund (560 Euro) bekommen könnten, um sie zur zehntägigen Heim-Quarantäne zu animieren.

Laut Guardian lassen sich nur 17 Prozent aller Engländer mit Symptomen testen. Nur jeder vierte Getestete hält sich an die Quarantäne, oft aus Angst um den Job. Derzeit bekommen nur Virus-Erkrankte 500 Pfund, die Sozialleistungen beziehen und nicht von zu Hause arbeiten können.

Kein Geld für Isolation

Ein Sprecher Johnsons sagte allerdings am Freitag, man überlege Änderungen der Finanzhilfen, aber es soll kein generelles Bargeld-Zuckerl geben, weil das „perverse Anreize“ schaffen könnte. Es würde die Quarantänezahlungen (bisher nur für Sozialleistungsbezieher) auf bis zu 453 Millionen Pfund (508 Mio. Euro) pro Woche verzwölffachen.

Die Zukunft der seit Wochen laufenden Ausgangsbeschränkungen, inklusive Schließung nicht-essenzieller Läden, bleibt vorerst ungeklärt. Johnson will den Lockdown Mitte Februar überprüfen, betonte aber, es sei „zu früh, zu sagen, wann er gelockert wird“. Auf Nachfrage weigerte er sich, einen Lockdown auch nach Ostern auszuschließen, obwohl ihn manche konservative Parlamentarier auf Lockerungen ab Anfang März drängen – nachdem die gefährdetsten Gruppen geimpft sind. Manche Experten warnen aber vor frühen Änderungen vor Mai, da die Zahl der Neuinfektionen trotz Lockdowns – aufgrund der im Land entdeckten ansteckenderen Virus-Variante – weiterhin hoch ist. Die Zahl der Toten hat diese Woche Höchstwerte erreicht, das na-

tionale Gesundheitssystem bleibt schwer belastet. Zahlen vom Donnerstag zeigen fast 38.000 Neuinfektionen, 1.290 Tote und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 450.

Laut Daten vom Freitagnachmittag wurde aber in der Woche bis 16. Jänner in England jeder 55. positiv getestet – das ist eine Verbesserung zur Vorwoche, als es jeder 50. war. Und die Reproduktionszahl R in Großbritannien dürfte laut Experten erstmals seit Dezember bei oder knapp unter 1 liegen.

Kampf um Vertrauen

Johnson übt sich derweil im Drahtseilakt. „Da in der Bevölkerung der Angstfaktor nachzulassen scheint, ist der Premier gezwungen, einen viel schärferen Ansatz mit Zuckerbrot und Peitsche zu verfolgen“, sagt der Politologe Prof. Matthew Flinders von der Universität Sheffield dem KURIER. „Das größere Problem könnte aber sein, dass die Öffentlichkeit die Zuversicht in Johnsons Fähigkeit verloren hat, klare und stabile Führung zu bieten. Zu viele Entscheidungen in letzter Minute und Kehrtwendungen haben das Vertrauen untergraben“.

Das gilt auch für die Wirtschaft. Ein symbolischer Tiefschlag für viele Briten war die Nachricht, dass letztes Jahr 1.837 Pubs und fast 6.000 Lokale, inklusive Bars und Restaurants, dichtmachen mussten – drei Mal so viele wie 2019. Es sei „unvermeidlich, dass es Tausende weitere treffen werde“, warnen Branchenanalysten.

Ein Lichtblick ist bisher das Impfprogramm. Freitag sollte fünf Millionen Erstdosen verabreicht sein.

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