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Politik Ausland
01/30/2020

Stigmatisierung: "Schwulenfreie Zonen" in Polen

21 polnische Gemeinden haben sich bereits zu sogenannten "LGBT-freie Zonen" erklärt, eine Folge der homophoben Regierungskampagne.

von Paul Maier

„Die rote Plage (der Kommunismus) hat unser Land nicht mehr im Griff, was nicht bedeutet, dass es keine neue gibt, die unsere Seelen, Herzen und unseren Verstand kontrollieren will. Die neue Bedrohung ist nicht rot, sondern der Regenbogen“, sagte der Erzbischof von Krakau im vergangenen August. Verbale Angriffe wie diese sind es, die LGBT – also homo- und bisexuellen sowie Transgender-Personen – das Leben in Polen schwer machen.

„LGBT nicht erwünscht“

 

Mit sogenannten „LGBT-freien Zonen“ wurde im Vorjahr eine neue Ebene der Homosexuellen-Feindlichkeit erreicht: 21 Gemeinden, 17 Bezirke und vier Provinzen haben sich bis zum Ende des vergangenen Jahres zu einer solchen Zone erklärt. Was bedeutet das für Schwule und Lesben? Laut Bartosz Wieliński, Journalist bei der regierungskritischen polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza, muss keiner rechtliche Sanktionen befürchten. Aber: „Man zeigt Homosexuellen damit, dass sie nicht willkommen sind“, sagt er zum KURIER. Es sei ein Bekenntnis gegen die sogenannte „LGBT-Ideologie“, vor der man „polnische Familien schützen“ müsse, so die Haltung der Gemeinden. Niemand wisse jedoch, was mit „Ideologie“ genau gemeint ist, sagt Wieliński. 

Befeuert wurde das Ganze durch eine Aktion der regierungsnahen Zeitung Gazeta Polska: Sie verbreitete Gratis-Aufkleber mit der Aufschrift „LGBT-freie Zone“. Ein Gericht hat diese zwar später verboten, die Verbreitung über soziale Medien war jedoch längst geschehen. „Die Aktion hat viele an die Wannsee-Konferenz erinnert, bei der Estland als ,judenfreie Zone’ bezeichnet wurde“, sagt der Journalist. Die rechtskonservative Regierungspartei PiS macht zudem seit einem Jahr offen Stimmung gegen Homosexuelle.

Kirche als Sprachrohr

In kaum einem anderen europäischen Land ist der Einfluss der Kirche so stark wie in Polen, dessen Volk auch eines der gläubigsten ist. Sie ist das zentrale Sprachrohr für Homophobie, diese betont sie sogar in Sonntagspredigten, wie der Politikwissenschafter Tobias Spöri dem KURIER sagt. „Die Kirche ist eine zentrale gesellschaftliche Institution Polens und eine der konservativsten und härtesten Europas“, so Spöri. Gleichgeschlechtliche Liebe wird laut Bartosz Wieliński auch immer wieder mit Pädophilie in einen Topf geworfen und als Ursache für Kindesmissbrauchsfälle dargestellt.

Stadt-Land-Gefälle

Restriktive Haltungen gegenüber sexuellen Minderheiten gibt es vor allem in den ländlichen südöstlichen Regionen des Landes. Hier liegen die Hochburgen der PiS-Partei. Homophobe Stimmungen, die dort bereits existierten, wurden durch die Kampagne der Regierung weiter verstärkt. Laut Politikwissenschafter Spöri liegt das auch daran, dass die Landbevölkerung kaum in Kontakt mit homosexuellen Menschen kommt. Er erzählt von einem LGBT-Aktivisten, der kleine Dörfer besuchte, um Aufklärung zu betreiben. „Für die Dorfbewohner war er wie ein Marsmensch“, sagt Spöri.

In Großstädten sei die Bevölkerung viel toleranter eingestellt, dort regieren auch liberalere Parteien. Für sexuelle Minderheiten in Polen ist derzeit keine Verbesserung in Sicht: Die PiS-Partei legte bei der Parlamentswahl im Vorjahr um sechs Prozentpunkte zu. Die Regierung sitzt laut Spöri „fest im Sattel.“

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