Politik | Ausland
14.10.2017

Polen: Shopping am Sonntag nur noch zwei Mal pro Monat

Kirche und Gewerkschaft sind erfreut, Konsumenten mehrheitlich dagegen.

Die nationalkonservative Regierung in Polen hat eine Entscheidung getroffen, die sie auch bei ihren Wählern einiges an Sympathie kosten kann – der verkaufsoffene Sonntag wird teilweise abgeschafft.

Der Parlamentsausschuss für den Arbeitsmarkt hat diese Woche beschlossen, ab Jänner den verkaufsoffenen Sonntag nur zwei Mal pro Monat zuzulassen. Es war die teilweise Einlösung eines Wahlversprechens gegenüber dem Klerus und der Gewerkschaft " Solidarnosc".

Diese Entscheidung im Parlament in Warschau sorgte für Aufregung: "Die PiS will uns das Einkaufen am Sonntag verbieten", schrieb die auflagenstarke Boulevard-Zeitung Fakt über die Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS).

Nach der Kirche in den Konsumtempel

In Polen, wo mehr als 90 Prozent der Bevölkerung der Katholischen Kirche angehören, hat sich durch eine Liberalisierung der Wirtschaft nach der Wende eine neue Sonntagstradition etabliert – das Zeitverbringen in Konsumtempeln, oft auch nach dem Kirchgang. In riesigen Verbrauchermärkten und Shoppingmalls wuselt es nur so am siebenten Tage, an dem der "Herr" geruht hatte und man es ihm eigentlich nachtun sollte. Vor allem Familien verbringen aber in den Einkaufspalästen ihre Zeit, es gibt Pizzastände sowie ein breites Kinoangebot.

Die weniger Kaufkräftigen schauen sich das alles meist nur an, andere langen dann und wann aber auch zu. Zudem arbeitet die Mittelschicht wochentags oft sehr lange, da bleibe nur der Sonntag für den großen Einkauf, argumentieren viele Polen.

Laut Umfragen sind 85 Prozent der Polen Gewohnheitseinkäufer am Sonntag, 59 Prozent sprechen sich gegen Einschränkungen an diesem Tag aus, die sogar Bestellungen im Internet betreffen.

"Konsum als Wachstumsmotor"

Nach Berechnung des "Polnischen Rates für Handelszentren" würden sogar 36.000 Menschen ihre Arbeit bei einem teilweisen Verkaufsverbot verlieren. "Konsum ist der Hauptmotor des Wachstums", betont die Vorsitzende der Unternehmervertretung Leviatan, Henryka Bochniarz.

Im Sejm, dem Parlament in Warschau, kam es zuletzt zu tumultartigen Szenen um den Status des Sonntags. Der liberale Abgeordnete Ryszrd Petru argumentierte, dass die Supermärkte im Südosten Polens die Hälfte ihres Umsatzes mit Sonntagseinkäufen der Ukrainer machten. Dabei wollte er das Rednerpult trotz Überschreitung der Redezeit nicht verlassen.

Auf der anderen Seite ist vielen die Einschränkung nicht genug: Der Sprecher der Gewerkschaft Solidarnosc, Marek Lewandowski, mahnte die PiS, ihr Wahlversprechen zur Gänze umzusetzen – die Geschäfte sollten an allen Sonntagen geschlossen sein. Dieser Meinung ist auch der polnische Episkopat. Der Erzbischof von Warschau, Kazimierz Nycz, hält am Handelsverbot an allen Sonntagen fest und den Gegnern "Demagogie" vor.

Durch die Mehrheiten in Sejm und im Senat sind die Einschränkungen aber beschlossene Sache, selbst der dem Klerus nahestehende Präsident Andrzej Duda wird unterschreiben.

Einschränkungen auch bei Alkohol

Doch während die Eingriffe in das Justizsystem, für die Polen auf europäischer Ebene heftig kritisiert wird, für viele Bürger eher einen abstrakten Charakter haben, wird das Ausbleiben der geliebten Sonntagsbeschäftigung deutlicher spürbar sein. Hinzu kommt, dass die PiS einen weiteren Zeitvertreib einschränken will – der Alkoholkonsum der Polen in der Öffentlichkeit soll drastisch eingedämmt werden.