Politik | Ausland
26.03.2018

Paris: Islamist ermordete und verbrannte Jüdin

Am selben Tag wie Terror in Südfrankreich: 85-Jährige von Nachbarn erstochen und verbrannt.

Vordergründig hängen die beiden Ereignisse nicht zusammen: am Freitag wurde die 85-jährige Holocaust-Überlebende, Mireille Knoll, in ihrer Wohnung in einem Pariser Sozialbau erstochen und verbrannt. Am selben Tag verübte ein Anhänger des „Islamischen Staats“ in Südfrankreich, in der Ortschaft Trèbes, ein Gemetzel, bei dem vier Personen starben.

Die Rentnerin kannte ihren Mörder, einen 35 jährigen Franko-Maghebiner, seit Kindheitstagen. Sie hatte ihn betreut, die Familien waren befreundet. Zuletzt hatte er aber der alten Dame gedroht, sie zu „verbrennen“, was sie der Polizei meldete.

Nachdem die Feuerwehr am Freitag in der brennenden Wohnung den Leichnam mit elf Stichwunden geborgen hatte, konnten der Täter und ein mutmaßlicher Komplize schnell ausgeforscht werden. Gegen beide wurde ein Verfahren wegen Mordes mit „anti-semitischen Beweggründen“ eingeleitet. Bisher ist über den Täter bekannt, dass er mehrfach straffällig geworden war und als verhaltensauffällig galt.

Zu Tode geprügelt

Das erinner t an die Ermordung einer anderen jüdischen Rentnerin in einem Sozialbau im selben Pariser Bezirk: die 65 jährige Sarah Halimi war im April 2017 in ihrer Wohnung von einem Nachbarn zu Tode geprügelt. Der Täter, 27 jähriger Sohn einer muslimischen Familie aus Mali, verkehrte in einer Moschee, die als Treffpunkt radikaler Islamisten gilt. Während der Tat rief er religiöse Parolen.

Nachdem er als unstete Persönlichkeit galt, vor der Tat Haschisch geraucht hatte und bei der Festnahme tobte, wurde er zuerst als „unzurechnungsfähig“ eingestuft. Anfänglich negierte die Justiz sogar anti-jüdische Beweggründe.

Schließlich wurde doch ein Anklageverfahren wegen eines anti-jüdischen Hassverbrechens eingeleitet. „Wir“ erklärte Präsident Emmanuel Macron mit Blickrichtung auf Justiz und Medien, „haben Monate gebraucht um diese schlichte Wahrheit zu benennen.“

Seit 2003 wurden zwölf Menschen in Frankreich bei anti-jüdischen Gewalttaten umgebracht. Einige der Täter galten zwar als wirre Einzelgänger, aber alle verkehrten in einem von Judenhass durchtränkten, islamistisch aufgeladenen Milieu.

Hochrufe für Attentäter

Das gilt auch für den Attentäter von Trèbes: der 25 jährige Franko-Marokkaner Radouane Lakdim tötete in Eigenregie. In der örtlichen Moschee herrscht Verzweiflung über dieses Verbrechen. Aber seine festgenommene 19 jährige Lebensgefährtin, die zum Islam konvertiert war, gab zu Protokoll, sie „bedauere“ dass er „nicht mehr Leute getötet“ habe, die Tat sei eine legitime Vergeltung für die Angriffe gegen den „Islamischen Staat“. Und das dürfte absolut keine Einzelmeinung sein.

Journalisten, die sich in die Siedlung in Carcassonne wagten, in der Radouane wohnte, wurden von jungen Männern bedroht und mit Steinen beworfen. Vereinzelt gab es Hochrufe für den Attentäter.

Ältere muslimische Bewohnerinnen vertrauten einem Reporter der Zeitung Le Parisien ihre Ohnmacht an: „Diese Taten sind unverzeihlich. Das war wieder einer, der Hirnwäsche bekam. Vielleicht im Internet, wo sie diesen Islam des Hasses lehren. Wir verstehen sie (die Jugendlichen) nicht mehr, und sie hören nicht mehr auf uns.“