Paris - eine Stadt im Ausnahmezustand

French police patrol near the Eiffel tower as part
Foto: REUTERS/PASCAL ROSSIGNOL Polizei ist allgegenwärtig

Die "Stadt der Liebe" ist derzeit - auch - eine Festung.

Paris ist wegen der hohen Terrorgefahr im Ausnahmezustand, das spürt der Reisende buchstäblich am eigenen Leib. Sicherheitskontrollen überall, gelegentlich sogar Körperkontrollen. Die Franzosen nehmen es mit Gelassenheit. Sie sitzen tafelnd im angesagten Viertel Marais und blicken auf patrouillierende, schwer bewaffnete Polizisten in Schusswesten, wie man sie früher nur in Krisengebieten wie Afghanistan gesehen hat.

Die Warteschlangen vor den Museen sind lang – auch wegen der Sicherheit. Jede Handtasche wird kontrolliert, mittlerweile selbst an den Eingängen großer Shoppingzentren und in Kirchen. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, die Arroganz der Franzosen, die man früher als Österreicher oft zu spüren vermeinte, sie ist verschwunden. Alles funktioniert reibungslos und hochprofessionell – selbst am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, gleichzeitig Jahrestag der Anschläge in Nizza. Millionen sind in Bewegung, um einen Blick auf den Eiffelturm zu erhaschen, der das Zentrum eines halbstündigen Feuerwerks ist. Alle Straßen sind von querstehenden Polizeiautos abgesperrt, das Polizeiaufgebot ist riesig, jede einzelne Tasche wird kontrolliert.

Könnte es hier einen Anschlag geben? Ja wahrscheinlich trotzdem, aber nicht mehr so leicht. Man steht in der Masse, blickt in den illuminierten Himmel, ein Rettungswagen drängelt vorbei, alles schiebt sich zusammen. Nein, eine Panik möchte man hier wirklich nicht erleben.

Derzeit tritt die britische Band Coldplay innerhalb von vier Tagen dreimal im Stade de France auf. Schätzungsweise 70.000 Besucher sind das pro Konzert. Auch hier: umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen, dennoch komplett entspannte Atmosphäre. Die Terrorgefahr bleibt einem dennoch immer bewusst. Und sei es beim Anblick der Mülltonnen. Sie sind schon lange ausgetauscht: aus Sicherheitsgründen hängen durchsichtige Säcke in Metallringen, Durchsagen in der U-Bahn warnen vor herrenlosem Gepäck, das man umgehend melden soll.

Bei der U-Bahn-Fahrt nach St. Denis, ein eher armes Einwandererviertel, steht man eingekeilt im Waggon. Hätte man früher auch um sich geblickt, ob jemand verdächtig aussieht? Der Terror hat das wunderbare Paris verändert - und nicht nur Paris. Traurig ist das schon.

(kurier) Erstellt am
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