Politik | Ausland
12.10.2017

Palästinenser: Hamas verkündet Einigung mit Fatah

Die Versöhnungsgespräche der rivalisierenden Palästinenserorganisationen dürften laut Medienberichten erfolgreich gewesen sein.

Die rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah haben sich nach Angaben von Hamas-Chef Ismail Haniya auf eine Versöhnung geeinigt. Details dazu sollen im Laufe des Tages veröffentlicht werden, sagte ein anderer Hamas-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in der Früh. Eine Bestätigung seitens der Fatah gab es vorerst keine.

Die Beratungen fanden seit Dienstag hinter verschlossenen Türen in den Räumen des ägyptischen Geheimdiensts in Kairo statt. Die Hamas herrscht seit 2007 im Gazastreifen. Die Gruppe setzte sich in bewaffneten Auseinandersetzungen nach einem Streit über die Parlamentswahl von 2006 gegen die gemäßigte Fatah von dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas durch. Diese übt die Regierungsgewalt im israelisch besetzten Westjordanland aus. Hamas und Fatah stimmten auf Druck Ägyptens Gesprächen über eine Einheitsregierung sowie zu Neuwahlen zu.

Einheitsregierung als Ziel

Ziel der Versöhnungsgespräche waren die Bildung einer Einheitsregierung für die Palästinensergebiete sowie Neuwahlen. Von Fatah-Seite hieß es, zum Stand der Verhandlungen werde es zu Mittag eine Pressekonferenz am Tagungsort in Kairo geben.

Ein besonders kontroverses Thema war dabei die Zukunft des bewaffneten Arms der Hamas. Ihm gehören 25.000 Kämpfer an, und die Islamisten haben erklärt, dass sie dieser Frage zu keinem Kompromiss bereit sind.

Die radikalislamische Hamas ist nach der Fatah die größte Palästinenser-Organisation. Die Fatah dominiert die PLO ( Palästinensische Befreiungsorganisation). Diese palästinensische Dachorganisation ist international als Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannt. Die Hamas, die Israel das Existenzrecht abspricht, auf Gewalt im Konflikt mit Israel nicht verzichten will und bisher getroffene Abkommen mit Israel nicht anerkennt, gehört der PLO nicht an. Sie wird von den USA und der Europäischen Union als Terrorgruppe eingestuft.

Im September hatte die Hamas verkündet, sie lade die international anerkannte Regierung von Palästinenser-Präsident Abbas im Westjordanland dazu ein, "in den Gazastreifen zu kommen und ihre Aufgaben sofort zu übernehmen". Damals herrscht Skepsis, weil schon frühere Versöhnungsversuche gescheitert waren. In dem Küstenstreifen leben rund zwei Millionen Menschen.