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Politik Ausland

Pakistan-Indien: Schwerste Eskalation seit 1971

Nach schweren Luftgefechten zwischen den beiden Atommächten stehen beide Staaten nur knapp vor einem offenen Krieg.

von Stefan Schocher

02/27/2019, 02:32 PM

Zwischen Pakistan und Indien ist immer zumindest ein bisschen Krieg. Wenn an den Grenzübergängen am Ende des Tages die Tore schließen, wird auf beiden Seiten gebrüllt, im Stechschritt marschiert, mit Grimassen gedroht. Ein Ritual, dem auf Tribünen auf beiden Seiten der Grenze Zuschauer beiwohnen und jubeln wie bei einem Fußballmatch. Die Rivalität zwischen den beiden Staaten ist so alt, wie die beiden Staaten selbst. Derzeit ist sie wieder am hochkochen. Und seit Mittwoch stehen diese Rivalitäten kurz davor, wieder in einen offenen Krieg zu eskalieren. Detail am Rande: Indien wie auch Pakistan sind in Besitz von Atomwaffen.

Pakistan meldete am Mittwoch den Abschuss von zwei indischen Kampfjets in pakistanischem Luftraum. Abgeschossen worden seien die beiden Flugzeuge, nachdem die pakistanische Luftwaffe Ziele entlang der Kontrolllinie in der Region Kaschmir bombardiert hätte. Ziele, die Pakistan als „nicht militärisch“ bezeichnete, um keine unnötigen Opfer zu verursachen. Nach der Aktion seien die pakistanischen Geschwader von indischen Jets bis in den pakistanischen Luftraum verfolgt, und abgefangen worden. Islamabad vermeldete zudem die Festnahme von zwei Piloten durch pakistanischen Bodentruppen. Auf Videos, die sich in Sozialen Medien verbreiteten, war einer der angeblichen Piloten zu sehen.

Indien bestätigte am Mittwoch den Abschuss eines Jets. Bei einem zweiten Jet habe es sich um ein pakistanisches Flugzeug gehandelt.

Zugleich kam es entlang der Kontrolllinie, die den indisch verwalteten Teil Kaschmirs vom pakistanisch verwalteten Teil Kaschmirs trennt, zu schweren Artilleriegefechten mit mehreren Toten. Und im indischen Teil Kaschmirs kam es zu schweren Ausschretungen muslimischer Jugendlicher mit Sicherheitskräften.

Seit zwei Wochen eskaliert die Lage. Auslöser war ein Anschlag auf eine indische Basis am 14. Februar bei dem 41 indische Sicherheitskräfte starben. Es war der schwerste Anschlag seit Jahren. Die Islamistengruppe Jaish e Mohammed (JEM) bekannte sich zu dem Anschlag, Indien machte dafür Pakistan verantwortlich.

Am Dienstag vermeldete die indische Armee, ein Lager der JEM nahe der Grenze zu Kaschmir auf pakistanischem Kern-Gebiet bombardiert und vernichtet zu haben. Dabei seien dutzende Kämpfer der Gruppe sowie Kommandanten und Anführer getötet worden.

Pakistan stellte den Vorfall ganz anders dar: Getroffen worden seien keine Terroristen, sondern 15 Kiefern. Keinesfalls habe es sich um ein gezieltes Bombardement gehandelt, viel eher sei ein indisches Geschwader über pakistanischem Gebiet zum Umkehren gezwungen worden und habe schlicht und einfach Ladung (also Bomben) abgeworfen, um schneller sein zu können. Und dennoch: Der Grenzüberflug war der erste seit dem Krieg 1971.

Tatsächlich sind in Kaschmir aktive Islamistengruppen aber sehr eng mit staatlichen pakistanischen Stellen verwoben. Wer aber letztlich Aktionen initiiert, ist nicht immer klar.

Dass eine breite Eskalation unabsehbare Folgen haben würde, scheint sowohl in Islamabad als auch Neu-Delhi bewusst zu sein. Indien und Pakistan stehen einander mit hochgerüsteten Armeen gegenüber. In Pakistan und Teilen Nordindiens wurde am Mittwoch der Luftraum gesperrt. Pakistans Premier Imran Kahan beteuerte am Mittwoch, bei dem pakistanischen Bombardement der Grenze habe es sich um eine adäquate, im Umfang aber limitierte Antwort auf die indische Luftraumverletzung vom Dienstag gehandelt. Er forderte zudem Gespräche zur Beilegung der Krise: Es sei einfach, einen Krieg zu beginnen, aber wohin dieser führt, könne niemand kontrollieren. „Wir wollen uns hinsetzen und reden.“

Indiens Außenministerin Sushma Swaraj sagte, man wolle jede weitere Eskalation vermeiden.

Beide Seiten bekundeten, einen offenen Krieg auf jeden Fall unterbinden zu wollen. Die USA, China und die EU riefen zur Beilegung der Spannungen auf.

Kulturell eng verwoben, staatlich verfeindet, kramten beide Staaten aber auch in der Trickkiste der asymmetrischen Aktionen: So verbot Indien in den Grenzgebieten 24 pakistanische TV-Sender. Pakistan wiederum verbot die Ausstrahlung indischer Filme.

Politisch stehen die Zeichen allerdings weniger für eine Beilegung der Krise. In Indien stehen im April oder Mai Wahlen bevor, bei denen der Hindu-Nationalist Narendra Modi den Sieg für eine zweite Amtszeit holen will.

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