Politik | Ausland
12.09.2018

Österreicher in Haft: Kurz fordert Antworten von Türkei

Die Türkei solle darlegen, was dem Journalisten vorgeworfen werde. Wenn das nicht möglich sei, müsse eine "sofortige Freilassung" erfolgen.

Die Geschehnisse rund um die Verhaftung eines österreichischen Journalisten in der Türkei sorgen weiter für Aufregung. Nun hat sich auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu Wort gemeldet und die Türkei aufgefordert, die Vorwürfe gegen den Mann zu konkretisieren oder ihn freizulassen. Der Journalist und Aktivist war am Dienstag in Ankara festgenommen worden. Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) rechnet mit einem Haftprüfungstermin am Freitag.

Die Türkei solle darlegen, was dem Journalisten vorgeworfen werde. Wenn das nicht möglich sei, müsse eine "sofortige Freilassung" erfolgen, sagte Kurz. Ähnlich äußerte sich auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache ( FPÖ), der die Türkei aufforderte, die Vorwürfe offenzulegen oder den Österreicher freizulassen.

Mutter ist "gefasst"

Noch ist nicht viel über den Österreicher, der in Ankara studiert und unter anderem für das linke Magazin "re:volt" schreibt, bekannt. Laut Außenministerin Kneissl spricht er perfekt Türkisch und hat einen türkischen Rechtsanwalt, der jederzeit Zugang zu seinem Mandanten habe. Sobald möglich, werde auch die Botschaft einen Haftbesuch durchführen. Seine Mutter ist nach Angaben der Ministerin "gefasst" und über die Vorgänge informiert.

Aktuell ist er laut Kneissl in einer Polizeistation, in der Terrorverdächtige bis zum Verhör untergebracht werden. "Wir erwarten, dass die türkischen Behörden umgehend Gründe für die Haft vorlegen oder sofort freilassen", so die Außenministerin. Sie kündigte an, dem Österreicher im Rahmen der konsularischen Schutzpflicht "jede Unterstützung, die erforderlich ist, zukommen lassen" zu wollen.

Kneissl rechnet mit einem Termin beim Haftrichter spätestens am Freitag. Danach werde entschieden, ob Anklage erhoben wird. "Meinungs- und Pressefreiheit sind Grundrechte, Pfeiler der internationalen Ordnung", deponierte die Ministerin. Eine Belastung der Beziehungen zur Türkei sieht sie in der Causa nicht: "Konsularfälle haben wir in verschiedensten Ländern des Nahen Ostens."