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Notre-Dame will den Zugang für Touristenführer erschweren

Die Pariser Kathedrale will mehr Andacht und weniger Touristen in Notre-Dame. Die Diözese erhofft sich mehr Ruhe, die Guides fühlen sich übergangen.
Simone Weiler aus Paris
Official ceremony marks reopening of Notre-Dame Cathedral

Die Warteschlange vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame scheint niemals enden zu wollen. Ständig strömen Menschen von verschiedenen Richtungen auf sie zu, seit sie Ende 2024, fünfeinhalb Jahre nach dem Brand 2019, vollständig renoviert wieder öffnete. Längst handelt es sich wie zuvor um das meistbesuchte Monument der französischen Hauptstadt. Mehr als elf Millionen Menschen betraten es 2025 – im Schnitt 30.000 pro Tag. Rund 500 Kleingruppen von bis zu fünf Personen besichtigen sie täglich, also 70 pro Stunde. Diese Zahl will die Diözese nun mithilfe einer neuen Maßnahme drastisch auf nur noch 30 täglich reduzieren.

Ab diesem Mittwoch dürfen Reiseleiter kleine Besuchergruppen nicht mehr frei in die Kathedrale führen, sondern müssen vorab Zeitfenster reservieren. Angekündigt wurde dies am 10. Juni, das neue System ist seit einer Woche freigeschaltet. Sämtliche Slots waren in kürzester Zeit belegt, sagt Théo Abramowicz, Präsident des französischen Berufsverbands für Fremdenführer, Dolmetscher und Stadtführer FNGIC. „Eine Verringerung von 500 geführten Gruppen auf nur noch 30 pro Tag entspricht einer Reduzierung um 95 Prozent. Kleingruppen, von denen die meisten Familien sind, werden faktisch ausgeschlossen.“

Guides fürchten Einkommenseinbußen

Er selbst musste sämtliche geplante Führungen für den Sommer absagen und schon bezahlte Beträge zurückerstatten. „Die Leute waren sehr enttäuscht, denn ich kann ihnen zwar manches von außen erklären, aber das ist nicht, was sie von einer geführten Tour erwarten.“ Laut Diözese verbleiben Besucher ohne Führung 26 Minuten in der Kathedrale, mit Guide hingegen eine Stunde. „Das bedeutet, dass es einen echten Mehrwert gibt, die Leute mehr sehen und verstehen“, betont Abramowicz. Für ihn wie auch für seine Kolleginnen und Kollegen folgen massive Einkommenseinbußen. „Man kann nicht einfach auf andere Sehenswürdigkeiten ausweichen, weil viele Touristen eben die Kathedrale Notre-Dame besichtigen wollen.“

15. April 2019: Die brennende Notre-Dame.

15. April 2019: Die brennende Notre-Dame.

Die Diözese wiederum argumentiert, sie wolle die Besucherführung verbessern, ohne einen allgemeinen Eintritt zu verlangen – das war eine Idee der früheren Kulturministerin Rachida Dati. Notre-Dame solle „vor allem ein Ort der Andacht“ bleiben, doch die Gläubigen fühlten sich beim Gebet durch die vielen Touristen gestört.

Das Dilemma sei völlig verständlich, sagt Abramowicz. „Doch die Zugangsbeschränkungen für Kleingruppen werden den Lärm nicht verringern, sondern eher noch verstärken, weil die Menschen ohne Reiseführer an ihrer Seite meist noch lauter sind.“ Wie im Fall von größeren Besuchergruppen müssen zudem Zeitfenster ab sofort drei Monate im Voraus gebucht werden. Für Reiseagenturen, die Anbieter von Kreuzfahrten oder Bustouren, sei das möglich, während Familien höchstens zwei, drei Wochen im Voraus ihren Urlaub im Detail planen. Zu spät für eine Reservierung.

Protest vor Kathedrale

Um auf diese Probleme hinzuweisen, organisieren die Reise- und Touristenführer am Mittwochabend eine Kundgebung vor der Kathedrale Notre-Dame. „Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Reservierungspflicht, aber die Kurzfristigkeit der Ankündigung ausgerechnet in der touristischen Hauptsaison und ohne vorherige Abstimmung ist problematisch“, sagt Abramowicz. Er hoffe, dass die Verantwortlichen der Diözese schnell erkennen werden, dass die Maßnahmen nicht die gewünschten Effekte haben, aber viele selbstständig arbeitende Guides in eine schwierige Lage versetzen.

Notre-Dame sei ein religiöser Ort, aber eben auch ein kulturelles Erbe. Menschen und Institutionen aus der ganzen Welt hatten nach dem spektakulären Brand gespendet und auf die Wiedereröffnung der Kathedrale hin gefiebert. Eine umfassendere Besichtigung mit einem Touristenführer wird jedoch bald kaum mehr möglich sein.

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