Politik | Ausland
29.08.2017

Nächste Provokation: Nordkorea feuert Rakete über Japan

Japan fordert, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Russland zeigt sich "extrem besorgt". Südkorea und die USA stehen hinter Japan.

Der Nordkorea-Konflikt spitzt sich zu. Das international weitgehend isolierte Land feuerte am Dienstagmorgen eine Rakete ab, die über Japan hinweg flog. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach daraufhin von einer beispiellosen und ernsthaften Bedrohung. Dass Nordkorea die Kapazität hat, Japan zu erreichen war natürlich bekannt. Schon 2009 war ein nordkoreanisches Geschoß über Japan geflogen.

Unterstützung bekam Abe von Südkorea und den USA. Sie wollen den Druck auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erhöhen. Abe sagte, US-Präsident Donald Trump stehe zu 100 Prozent hinter Japan. An den Börsen reagierten Anleger nervös. Aktien wurden verkauft, als sicher geltende Anlagen wie Gold und der Schweizer Franken waren dagegen gefragt.

Nordkorea schießt wiederholt Raketen ab

Nordkorea hatte zuletzt am Samstag mehrere Kurzstreckenraketen abgefeuert. Ende Juli hatte das Land eine Interkontinentalrakete getestet, die Experten zufolge auch die USA hätte erreichen können. Das kommunistische Land verstößt mit seinem Vorgehen gegen Resolutionen der Vereinten Nationen. Trump hat Nordkorea im Fall weiterer Provokationen mit "Feuer und Zorn" gedroht, wie es die Welt noch nie erlebt habe.

Militärs wollen starke Antwort geben

Wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, wollen die Militärs der USA und Südkoreas eine starke Antwort geben. Ein Mitarbeiter im südkoreanischen Verteidigungsministerium sagte Reuters, es gebe aber keine Ad-hoc-Pläne, um die Militärübungen beider Staaten zu ändern. Von diesen fühlt sich Nordkorea provoziert. Nach offiziellen südkoreanischen Angaben haben Kampfjets als Reaktion auf die abgefeuerte Rakete des verfeindeten Nachbarn den Abwurf von Bomben geübt. Zudem wurden schärfere Sanktionen gegen Nordkorea gefordert.

Rakete flog 2.700 Kilometer

Das japanische Militär versuchte nicht, die Rakete abzuschießen. Verteidigungsminister Itsunori Onodera sagte, das Geschoß sei in drei Teile gebrochen und dann in den Pazifik gestürzt - 1.180 Kilometer östlich der japanischen Insel Hokkaido. Südkorea teilte mit, die Rakete sei in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert worden, insgesamt 2.700 Kilometer geflogen und habe dabei eine Höhe von rund 550 Kilometern erreicht.

In den USA bestätigte das Pentagon den Vorfall. Es würden nun Informationen zusammengetragen. Eine Gefahr für Nordamerika habe aber nicht bestanden.

Antrag auf Sitzung des UN-Sicherheitsrats

Diplomaten zufolge haben die USA, Japan und Südkorea eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt, um sich mit dem Fall zu beschäftigen. Es war zunächst aber unklar, wann das Gremium tagen sollte.

China sieht Konflikt am "Wendepunkt"

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben nach Einschätzung der Volksrepublik China einen "Wendepunkt" erreicht. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking forderte Zurückhaltung nach dem erneuten nordkoreanischen Raketenabschuss vom Dienstag. Peking rufe nach wie vor zu Friedensgesprächen auf. "Druck und Sanktionen" gegen Pjöngjang könnten den Konflikt "nicht grundlegend lösen".

Russland "extrem besorgt"

Russland hat "extrem besorgt" reagiert. Die Lage habe die "Tendenz zur Eskalation", sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow am Dienstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti. "Wir sind extrem besorgt über die allgemeine Entwicklung", sagte er demnach. Riabkow machte die jüngsten umfangreichen Militärübungen Südkoreas und der USA auf der koreanischen Halbinsel für die Lage verantwortlich. Die Manöver hätten "eine Rolle dabei gespielt, Pjöngjang zu einem neuen Abschuss" einer Rakete zu veranlassen.

Goldpreis geht auf Jahreshoch

Die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) stieg Dienstagfrüh in Singapur auf den höchsten Stand seit November 2016. Zwischenzeitlich erreichte der Preis nach Bloomberg-Daten 1.322,41 US-Dollar (1.117,3 Euro) und lag zuletzt nur leicht darunter. Seit dem Frühjahr pendelt der Preis für eine Feinunze zwischen 1.200 und 1.300 US-Dollar. Seit Monatsanfang hat die Feinunze nun um rund 4 Prozent an Wert zugelegt, seit Jahresbeginn beträgt das Plus gut 15 Prozent.

Marktbeobachter begründeten den deutlichen Anstieg mit der gestiegenen Unsicherheit unter den Anlegern nach zahlreichen Terroranschlägen in Europa, dem politischen Hickhack in den USA und der sich zuspitzenden Nordkorea-Krise. Gold gilt traditionell als Rückzugsort für Investoren in schwierigen Zeiten.