Politik | Ausland
31.01.2018

"Ohne Brexit gibt es eine Revolution"

Nigel Farage in Wien. Der Brexit-Vorkämpfer im KURIER über die Debatte in Großbritannien.

Wenn es um den Brexit geht, ist er Englands liebstes Enfant terrible: Nigel Farage. Der langjährige Chef der Anti-EU-Partei UKIP ist bis heute eine der prominentesten Stimmen für den EU-Austritt. Als Gast beim "Vienna Congress", der alljährlichen politischen Konferenz im Wiener Haus der Industrie, machte Farage am Dienstag wieder einmal seine Haltung deutlich: "Man kann kein unabhängiger demokratischer Staat sein und zugleich Mitglied der EU."

Dass die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien derzeit stocken, dafür macht Farage auch gegenüber dem KURIER Premierministerin Theresa May verantwortlich:"Sie versucht ständig mit einem Fuß in Richtung Brexit zu gehen und mit dem anderen in Richtung Verbleib in der EU. Das kann nicht funktionieren."

Der wortgewaltige Populist, der ja kurioserweise EU-Parlamentarier ist, glaubt ohnehin nicht an Mays langfristiges politisches Überleben:"Sie wird in ein paar Wochen gestürzt werden." Am grundsätzlichen Problem aber ändere das nichts: Großbritannien müsse sich endlich von der EU-Bürokratie lösen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. "Man sieht doch, das Europa dem Rest der Welt hinterher hinkt, weil die EU nur den Interessen multinationaler Konzerne dient und kleinen und mittleren Unternehmen schadet." Der Brexit habe nichts mit Protektionismus oder Abschottung zu tun, "sondern er ist eine Entscheidung für den freien Markt und für freien Handel. In Brüssel schreiben ja nur die Konzerne die Regeln, wie sie ihnen passen."

"EU will uns bestrafen"

Trotzdem sieht Farage den Brexit nicht als den Abbruch aller Beziehungen zu EU: "Wir haben nicht vor die Zugbrücke zu kappen, wir wollen nur wieder kontrollieren, wer darüber geht." Doch Großbritannien habe keinen Grund, sich zu fürchten, "wenn wir den freien Handel mit der EU unterbinden, dann schadet das europäischen Firmen mehr als britischen." Schon deshalb würden die Bürokraten in Brüssel Großbritannien nicht gehen lassen, "ohne es dafür mutwillig zu bestrafen".

Auf sein Land warte da draußen ohnehin der gesamte britische Commonwealth (Verband der früheren britischen Kolonien) und viele andere Wachstumsmärkte. Großbritannien müsse, "wieder global denken und handeln".

Die immer lauteren Warnungen vor den Folgen des Brexit hält Farage für überhörbar. "Die öffentliche Debatte, ob wir austreten sollen oder nicht, haben wir hinter uns. Jetzt geht es nur noch darum, zu welchen Bedingungen."

Trotzdem macht er sich "große Sorgen, dass wir durch die Ungeschicklichkeit der Regierung weiter in EU-Angelegenheiten verstrickt werden". Eine Kehrtwende und den Verbleib in der EU aber, den könne sich keine britische Regierung leisten: "Ohne Brexit gibt es eine Revolution."