Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni

© EPA/IAN LANGSDON

Frankreich
03/01/2021

Nicolas Sarkozy hat viel Glamour und noch mehr Prozesse

Ex-Präsident Nicholas Sarkozy war nie um flotte Sprüche verlegen. Heute drohen ihm in einem Korruptionsprozess vier Jahre Haft.

Aus Paris von Lisa Louis

Man nennt ihn den „Bling-Bling“-Präsidenten – so schillernd ist Nicolas Sarkozy, der von 2007 bis 2012 Frankreichs Präsident war. Das liegt nicht nur an seiner Superstar-Ehefrau, der Sängerin Carla Bruni, die ein ehemaliges Topmodel ist. Sondern auch an seinem nervösen Auftreten, seiner Liebe für Luxus und seinen Sprüchen. So ist es keine Überraschung, dass das Gerichtsurteil gegen ihn heute die Aufmerksamkeit der Weltpresse weckt. Das Verfahren ist eines von rund einem halben Dutzend, in die „Sarko“ verstrickt ist, und könnte ihn sogar hinter Gitter bringen.

Politisches Talent

Als Sohn eines ungarischen Vaters und einer französisch-griechischen Mutter wuchs Sarkozy unter anderem im Pariser Vorort Neuilly auf, einer der reichsten Gemeinden Frankreichs. In der Schule und an der Universität war er eher mittelmäßig, blieb sogar einmal sitzen. Doch sein politisches Talent erkannten sowohl sein eigenes konservatives Lager als auch Widersacher von links schon früh an. So galt der ausgebildete Anwalt stets als herausragender Redner und Macher mit Charisma.

Sarkozy war mit 28 einer der jüngsten Bürgermeister Frankreichs (in Neuilly), später Innen-, Finanzminister und Chef der konservativen Partei UMP. 2007 wählt ihn Frankreich schließlich zu seinem Präsidenten.

Der Kandidat, der einen „ruhigen Umbruch“ versprochen hatte, verwandelte sich schnell in einen „Hyper-Präsidenten“, besetzte alle möglichen Themen wie liberale Wirtschaftsreformen, Einwanderung oder auch Umweltschutz. Immer wieder sorgte „Sarko“ für Aufruhr, etwa mit Sprüchen wie „Verzieh Dich, Du Depp“, als ihm 2008 jemand während der Landwirtschaftsmesse in Paris nicht die Hand schütteln wollte. Als Innenminister hatte er bei einem Besuch in einem von Kriminalität geplagten Vorort gesagt, er würde „die Häuserblöcke mit dem Kärcher reinigen“ und die Gegend vom „Abschaum“ befreien. Die Jugendlichen nannte er politisch unkorrekt „Racaille“ (Gesindel).

Richter bestochen?

Doch für Aufruhr sorgt nicht nur sein Stil – ihn verfolgt auch eine nicht enden wollende Anzahl an Gerichtsprozessen. Heute verkünden die Richter ein Urteil im sogenannten „Prozess der Telefonüberwachungen“. Dabei wirft man ihm vor, 2014 versucht zu haben, den Richter Gilbert Azibert zu bestechen – er habe Azibert versprochen, sich dafür einzusetzen, dass er einen Posten in Monaco bekäme (den er im Endeffekt nicht bekam). Im Gegenzug wollte Sarkozy angeblich von Azibert Auskunft über ein Verfahren wegen eines angeblichen Ausnutzens der Schwäche von Liliane Bettencourt, Tochter des Gründers des L'Oréal-Konzerns und reichste Frau der Welt. In diesem Prozess hatte man die Vorwürfe gegen Sarkozy zwar bereits fallengelassen – der Politiker wollte aber rückgängig machen, dass sein Terminkalender weiter von der Justiz verwendet werden könne. Um so einer Verurteilung in einem anderen Verfahren zu entgehen.

Aufgeflogen waren Sarkozys mutmaßliche Bestechungsversuche, weil die Justiz den ehemaligen Staatschef und seinen Anwalt Thierry Herzog abhörte, um Informationen für wieder ein anderes Verfahren zu bekommen: Man ermittelt wegen möglicher illegaler Finanzierungen von Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2007 durch den ehemaligen libyschen Diktator Gaddafi.

Für den aktuellen Fall hat die Staatsanwaltschaft eine vierjährige Haftstrafe (zwei auf Bewährung) beantragt. Sarkozy beteuert seine Unschuld. „Dieses Verfahren war ein Leidensweg für mich“, sagte er am letzten Tag der Anhörungen. Die Verteidiger sprachen von einer „Wüste in Sachen Beweisen“.

Der Bling-Bling-Präsident wird auch weiterhin für internationale Schlagzeilen sorgen. Die Gerichtsverhandlung, bei der es um mögliche gefälschte Rechnungen beim Wahlkampf 2012 geht, läuft kommenden Monat an.

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