Politik | Ausland
17.12.2018

NGOs zu EU-Afrika: „Grundbildung, Berufsbildung, Herzensbildung“

Wirtschaftskooperationen seien wichtig, Investitionen in den Sozialsektor aber genauso.

Auffällig positiv bewerten heimische entwicklungspolitische Organisationen das am Dienstag zu Ende gehende EU-Afrika-Forum in Wien. Mehr als 20 Staaten vertreten den südlichen Kontinent, teils auf höchster Ebene. Neben Repräsentanten aus allen 28 EU-Mitgliedsländern nehmen daran auch (Top-)Manager von 800 Unternehmen teil. Ziel: Afrika wirtschaftlich auf die Beine zu bringen. „Es ist gut, dass diesem Thema ein so großer Raum gewidmet wird“, sagte Andrea Barschdorf-Hager von CARE-Österreich bei einem Pressegespräch am Montag. Konkrete Ergebnisse erwartet sie sich freilich nicht auf dieser Konferenz.

Jeder zehnte Erdenbürger lebt in Armut

Einig ist sie sich mit ihren Kollegen aber darin, dass ökonomische Prosperität alleine nicht alle Probleme lösen könne: „Konzerne machen keine Schule“, betonte Annelies Vilim von der AG Globale Verantwortung, einem Zusammenschluss von 35 entwicklungspolitischen NGOs. Es brauche ein Zusammenspiel zwischen Investitionen in den sozialen Bereich, einer guten Regierungsführung in den afrikanischen Staaten sowie der Wirtschaft. „Grundbildung, Berufsbildung und Herzensbildung“ – das seien die Voraussetzung für eine funktionierende (Zivil-)Gesellschaft, nur so würde ein „starker Untergrund gelegt werden, auf den die Wirtschaft aufbauen kann“, so Reinhard Heiserer von der Hilfsorganisation Jugend Eine Welt.

Christoph Schweifer von der Caritas-Österreich unterstrich, dass eine Teilnahme der Menschen an den jeweiligen Märkten nur dann wirklich möglich sei, wenn die elementarsten Grundbedürfnisse gesichert seien – etwa ausreichend Nahrung. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass weltweit noch immer jeder zehnte Erdenbürger in Armut lebe.

2050 bis zu 2,4 Milliarden Afrikaner

Zwar gibt es derzeit in manchen Ländern des Kontinents fabelhafte Wachstumsraten von sieben Prozent pro Jahr und mehr (etwa Äthiopien und Ruanda). Doch im Schnitt wächst die Zahl der Arbeitsplätze jährlich nur um 0,2 Prozent. Rechnet man das rasante Bevölkerungswachstum ein (die 1,2 Milliarden Afrikaner werden sich bis 2050 verdoppeln), müssten bis 2035 pro Jahr 18 Millionen Jobs entstehen, tatsächlich sind es aktuell aber nur drei Millionen.

"Zukunftspakt für Afrika"

Bildung und einkommensschaffende Maßnahmen, da waren sich die Vertreter österreichischer NGOs einig, seien die besten Vehikel, der Misere entgegenzuwirken und so die Migration Richtung Europa zu bremsen. Hier Geld in die Hand zu nehmen, rechnete Rupert Weber von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen vor, zahle sich voll aus: „Für einen von uns eingesetzten Euro kamen mittelfristig 26,6 Euro der örtlichen Landbevölkerung zugute.“

Von der Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz forderten die NGO-Repräsentanten, dass sie sich für faire Handelsabkommen mit den afrikanischen Staaten einsetzt – die jetzigen wirkten aufgrund der EU-Marktdominanz eher schädlich. Zudem forderten sie einen „Zukunftspakt mit Afrika“, eine zusätzliche „Entwicklungsmilliarde“ für den Kontinent und – einmal mehr – die lange versprochene Anhebung der Entwicklungshilfegelder auf 0,7 Prozent des BIPs (derzeit 0,3 Prozent).