© Screenshot Youtube

#netzfragtmerkel
07/07/2015

Merkel bei LeFloid: Kanzlerin gibt Youtube-Interview

Merkel stellt sich Fragen des Berliner Videobloggers - um bisher unerreichte Wählerschichten anzusprechen.

von Evelyn Peternel

Vor zwei Jahren hat sie das Internet noch etwas verhalten als „Neuland“ bezeichnet, jetzt wagt sich Angela Merkel selbst dorthin vor – konkret auf die Fragecouch von LeFloid: Der 27-Jährige betreibt seit geraumer Zeit ein Informations-Format auf Youtube und erreicht dort Zuschauerzahlen, die auch im klassischen TV nicht zu verachten wären.

Mehr als 2,6 Millionen Abonnenten hat sein Kanal, der unterhaltsam aufbereitete und mit salopp kommentierte Nachrichten aus aller Welt verbreitet - Beiträge über den "Islamischen Staat", russische Verschwörungstheorien oder anstehende Wahlen inklusive. Genau die 2,6 Millionen will Merkel nun für sich gewinnen.

#NetzfragtMerkel

Am kommenden Freitag wird die deutsche Kanzlerin sich den Fragen von Florian Mundt, wie LeFloid mit bürgerlichem Namen heißt, stellen. Dabei wird sie vermutlich auch Seltsames zu hören bekommen. Denn der Videoblogger hat seine Zuseher aufgefordert, ihm vorab Fragen zu schicken. Unter dem Hashtag #NetzfragtMerkel kann man via Twitter, Instagram oder YouTube Inhalte vorschlagen, "am Freitag wird dann mit der Angela darüber geschnackt", sagt der Berliner. Privates wie „Hast du WhatsApp?“ findet sich unter den Fragen genauso wie Halbpolitisches à la „Worauf sind Sie stolz und wofür schämen Sie sich nach 10 Jahren Amtszeit?“.

Bürgernähe

Der Auftritt Merkels ist Teil einer umfassenden Dialog-Strategie der Bundesregierung. Am Dienstag etwa war Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Magdeburg, um sich einem „Bürgerdialog“ zu stellen; Merkel wird am kommende Woche in Rostock mit Schülern über Politik plaudern – die Kampagne soll auf traditionellem Wege mehr Bürgernähe herstellen.

Dass man dabei auch das Netz bedient, ist allerdings neu – und durchaus konsequent. Denn die Zuseher, die LeFloid anspricht, gehören nicht zum klassischen, von der Regierung sonst gerne bedienten Tagesthemen-Publikum. „Die wollen sich nicht hinsetzen und sich wie bei der Tagesschau in 15 Minuten zehn Themen reindrücken lassen, von denen sie die Hälfte bis zum ,Tatort' wieder vergessen haben", so Mundt im Interview mit dem Spiegel. 70 Prozent seiner Zuseher sind zwischen 16 und 24 Jahre alt.

Wenig Netz-Präsenz

Das Kanzleramt ist gut beraten, sich im „Neuland“ besser zu positionieren. Erst kürzlich hat man Merkel deshalb einen zeitgeistigen Instagram-Account verpasst, der zumindest russische Trolle begeistert hat – sie schwemmten den Auftritt mit Negativ-Kommentaren (mehr dazu hier). Der offizielle Youtube-Kanal der Bundesregierung hingegen fristet eher ein tristes Dasein. Vermutlich ob seiner eher hölzern wirkenden Videos hat er nur knapp 13.000 Abonnenten.

Jugendliche, die sich bei LeFloid informieren, erreicht man damit sicherlich nicht. Dabei sind die durchaus daran interessiert, sich mit Politik auseinanderzusetzen: „Wenn jemand behauptet, Jugendliche seien nicht politikinteressiert, kann ich nur entgegnen: Das stimmt nicht. Das sehe ich an den Kommentaren unter meinen Videos, da sind Tausende darunter, die wirklich hochintelligent sind“, sagt LeFloid.

Kein Live-Auftritt

Als Vorbild könnte Merkel Barack Obama dienen. Der social-media-affine US-Präsident hat kürzlich ebenso ein Interview via Youtube gegeben; er holte sich die drei jungen Youtube-Stars gleich ins Weiße Haus. Zudem wurde die Fragestunde live gesendet. Das ist bei LeFloid nicht der Fall - der Auftritt der Kanzlerin ist erst ab Montag im Video zu sehen.

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