Karl Nehammer, Recep Tayyip Erdogan

© BKA/Florian Schrötter

Politik Ausland
06/29/2022

Nehammer traf Erdoğan bei NATO-Gipfel in Madrid

Der Kanzler setzt auf die Vermittlerrolle des türkischen Präsidenten im Ukraine-Krieg.

von Ingrid Steiner-Gashi

Für gewöhnliche Besucher bleibt der Prado in Madrid zwei Tage lang geschlossen. Dafür hatte das weltberühmte Museum Mittwochnacht umso prominentere Gäste: Zum Abendessen neben den Gemälden von Francisco de Goya nahmen die Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten Platz. Mit am Tisch: Bundeskanzler Karl Nehammer. Beim Thema des Abends – der bedrohten Sicherheit Europas – sollten auch die Regierungschefs der neutralen EU-Länder nicht außen vor bleiben.

"Die Zusammenarbeit der NATO und der EU ist ein wichtiger Bestandteil der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik der EU", ließ Nehammer im Vorfeld wissen. Ein NATO-Beitritt sei aber, so der Kanzler, "für uns in Österreich keine Variante des Denkens".

Das für den Kanzler noch wichtigere Treffen stand aber nach dem Essen auf dem Programm – jenes mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dass die beiden überhaupt zusammenkamen, beweist: Die jahrelange Eiszeit zwischen Österreich und der Türkei ist vorbei. Das bisher letzte Treffen zwischen einem österreichischen Kanzler, damals Werner Faymann, und Erdoğan liegt neun Jahre zurück.

"Chance auf Frieden"

Nehammer erachtet Erdoğan als Vermittler im Gespräch mit Kremlchef Putin. Der türkische Präsident werde sowohl von der Ukraine als auch von Russland angehört. Und Verhandlungen, „das ist Millimeterarbeit“, sagt Nehammer. Seinen eigenen Beitrag auf einem Verhandlungsweg sieht der Kanzler daher wie ein Teil eines Puzzles. "Wir dürfen nicht aufhören, für die Chance auf Frieden alles in unserer Macht Stehende zu tun."

Nehammer hofft auch darauf, dass die Türkei helfen kann, die Getreideblockade aus der Ukraine aufzubrechen. Putin habe ihm im Telefongespräch versprochen, die ukrainischen Häfen nicht anzugreifen, wenn diese ihre Minen räumen. "Aber ohne Sicherheitsgarantien geht so etwas nicht", sagt Kanzler. Und die Türkei habe angeboten, solche Garantien zu übernehmen.

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