U.S. President Barack Obama waves as he arrives with German Chancellor Angela Merkel (2nd R) and Berlin Mayor Klaus Wowereit to give a speech in front of the Brandenburg Gate at Pariser Platz in Berlin June 19, 2013. Obama's first presidential visit to Berlin comes nearly 50 years to the day after John F. Kennedy landed in a divided Berlin at the height of the Cold War and told encircled westerners in the city "Ich bin ein Berliner", a powerful signal that America would stand by them. REUTERS/Michael Kappeler/Pool (GERMANY - Tags: POLITICS)

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Politik | Ausland
06/19/2013

Obamas Rede in Berlin

Barack Obama befindet sich auf seiner ersten Berlin-Reise seit Amtsantritt. Vor dem Brandenburger Tor hielt er eine mit Spannung erwartete Rede.

50 Jahre nach den berühmten Worten John F. Kennedys in Berlin ist nun Barack Obama in der deutschen Hauptstadt. Kennedys Rede mit dem Satz "Ich bin ein Berliner" ließ die Bewohner des geteilten Deutschland jubeln. Obama trat damit ein schweres Erbe an, noch dazu, weil er auch in Europa sinkende Sympathiewerte hat. Das Gefangenenlager Guantanamo ist noch nicht geschlossen, der NSA-Skandal erschüttert die Öffentlichkeit.

Am Nachmittag trat der US-Präsident vor ausgewählte Zuschauer am Brandenburger Tor und hielt seine mit Spannung erwartete Rede.

Obamas Rede in Berlin

Obamas Rede -Video:

Die Kernbotschaften: DAF - Deutsch-Amerikanische Freundschaft pflegen, Nuklearabrüstung, Kampf für die Freiheit, wie die Amerikaner sie verstehen - und weiterhin die Schließung des Lagers in Guantanamo Bay. Kein Wort zu Prism.

"Wir müssen die Kraft des Individuums nutzen, das ist es, was uns ausmacht, was uns unterscheidet von jenen hinter der Mauer."

Wieder Anspielung auf Kennedy. Obama weiß um die Bedeutung des legendären Demokraten für die Berliner. "Die Mauer gehört der Geschichte an. Aber wir müssen auch Geschichte schreiben. Wir müssen uns um Jobsuchende kümmern, um Mädchen, die anderswo nicht in die schule gehen können, um Frieden auch im Ausland. Das ist die Lektion der 80er-Jahre. Frieden herstellen für die gesamte Menschheit"

Und auf Deutsch: "Vielen Dank"

Damit endet Obamas Rede.

"Bedrohungen des Friedens müssen nicht von außen kommen, sie können auch von innen kommen. Viel hat sich geändert, seitdem ich das letzte Mal hier war, Osama bin Laden ist nicht mehr."

Wir müssen das Gefängnis in Guantanamo schließen" Großer Jubel.

Die Gründe: "Wir können neue Technologien wie Drohnen nutzen".

Ein Drittel weniger Nuklearwaffen - das wünscht sich Obama in Berlin. Die Forderung stellt eine weitere Reduktion gegenüber den "New START"-Verträgen mit Russland 2010 dar. "Bevor es zu spät ist. Das ist unser Job! Es ist unsere moralische Verpflichtung"

"Wir sind stärker, wenn alle Menschen, egal welche Rasse, Orientierung, Geschlecht, Chancen haben." Obama erwähnt gleiche Rechte für Menschen in Tempeln und Moscheen, für Schwule und Lesben, für alle Menschen. Das sind wohl die Worte, die sich viele Berliner erwartet haben.

"Wir müssen dafür noch härter arbeiten, diese Mauern einzureißen." Die kostbarste Ressource: "die Menschen", deshalb sei der Schlüssel Bildung.

"Der Kampf um Freiheit geht weiter", beschwört Obama den kämpferischen Geist. "Kanzlerin Merkel erwähnt gerade John F. Kennedy mit den Worten "Ich bin ein Berliner" - so Obama. "Das Echo überdauert die Zeit"

"Wir sind nicht nur Bürger der USA oder Deutschlands, sondern der Welt. So lange wie Nuklearwaffen existieren, sind wir nicht wirklich sicher. Solange noch Menschen an einem leeren Magen leiden, sind wir nicht reich."

"Tausende Jahre bewegten sich hier die Menschen - Dichter und Denker, Immanuel Kant, der sagte "Freiheit ist unveräußerliches Recht des Menschen", sagt Obama. Auch er begrüßt Rosinenbomber-Pilot Halvorson.

"Wir sind umgeben von den wiedergewonnen Symbolen Deutschlands umgeben, der Pariser Platz ist nun allen offen. Ich bin froh, dass ich der erste Präsident bin, der auf der östlichen Seite stehen kann"

"Als Amerikaner glauben wir, dass alle Menschen gleich geboren sind. Als Deutsche haben Sie im Grundgesetz erklärt, dass die Würde des Menschen unantastbar sind" - große Worte des Präsidenten. "Unsere Werte haben gewonnen - Offenheit, Toleranz, Freiheit - hier in Berlin!"

"Hallo Berlin!" - so die erste Worte der Rede Obamas.

" Angela und ich sehen ja nicht gerade so aus, wie frühere Führungskräfte. Aber heute stehen wir hier an einer Bruchlinie, die die Stadt früher teilte."

"Vielen Dank für dieses warme Begrüßung" - Obama muss sein Sakko ausziehen - "wir sind doch unter Freunden"

Merkel spricht von der geplanten Freihandelszone - "Herausforderung, die uns all bewegt". "Auch im 21. Jahrhundert gibt es keine besseren Partner füreinanader als Amerika und Europa. Lieber Barack, ich heiße dich willkommen". Noch ein Küsschen für den Präsidenten.

"Die Überwindung der Teilung, Einheit unseres Landes wurde möglich durch friedlichen Protest. Sie riefen "Wir sind das Volk". Es wurde möglich, weil Staatsmänner wie Helmut Kohl, die Bedeutung erkannt haben", so Merkel.

"Lieber Barack Obama, die Freundschaft ist tief in unseren Herzen verankert". Marshall-Plan unvergessen, sowie die Piloten der Luftbrücke.

"Unvergessen auch John F. Kennedys Bekenntnis zu dieser Stadt".

"Wir haben das bestmögliche Wetter ausgesucht", sagt Merkel bei der Begrüßung. Auch sie spielt aufs Brandenburger Tor an, als Symbol der Freiheit.

Wowereit erinnert an die Deutsch-Amerikanische Freundschaft und heißt Gail Halvorson willkommen, einen Rosinenbomber-Piloten. Er erinnert an Kennedy, Reagan und Obamas letzten Besuch in Berlin. "Ideal einer freien und solidarischen Gesellschaft, als Herzschlag der Freundschaft".

Nun tritt Merkel ans Mikrofon, geschützt ebenfalls durch Panzerglas.

Endlich kommt Obama, großer Jubel bricht aus. Zusammen mit Bürgermeister Klaus Wowereit und Angela Merkel betritt er den Pariser Platz. Wowereit begrüßt Publikum und Obama: "Herzlich willkommen in Berlin!"

Das offene Brandenburger Tor als Symbol gegen Diktatur, so Wowereit.

Ein Kameraschwenk über die Menge:

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Langsam wird das Publikum in der glühenden Hitze ungeduldig. Mit Laola-Wellen wollen sie Obama aufs Podium locken.

US-Präsident Obama ist bereits auf dem Pariser Platz angekommen. Die Rede lässt noch auf sich warten. Der Geiger David Garrett spielte, um das Publikum zu unterhalten.

Gleich beginnt die Rede. Die Menschenmassen auf dem Bild sind eingeladene Gäste auf dem Pariser Platz. Schaulustige haben wenig Chance, den US-Präsidenten zu hören oder zu sehen. Das Gelände rund um da Brandenburger Tor ist weiträumig abgesperrt.

Obama versprach in Sachen Prism auch mehr Transparenz. In Berlin versicherte er, dass sich die US-Geheimdienste künftig eng mit ihren deutschen Partnern abstimmen würden und auch die Öffentlichkeit mehr Informationen bekommen solle. Obama verteidigte die Datensammlung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA aber als unverzichtbar für die Terrorabwehr: "Die Folge davon ist, dass wir Leben retten."

Wichtigster Satz: "Das ist kein Abhörverfahren."

Zur Überbrückung einstweilen ein bisschen Bussi-Bussi: Merkel und Obama beim Küsschen-Austausch.

In Berlin hat es übrigens 31 Grad - das merken auch die Leute am Pariser Platz am Brandenburger Tor, wo der US-Präsident seine Rede halten wird. Hier ein Foto der Leute, die sich um Wasser anstellen - Flaschen jeglicher Art sind nämlich verboten.

Das Netz ist voller Belustigungen über den Obama-Besuch - auch die Bild-Zeitung schließt sich dem an. Chefredakteur Kai Diekmann hat die morgige Titelseite der Bild getwittert:

Viel haben wir übrigens von Obamas Rede nicht zu erwarten, ist sich KURIER-Außenpolitik-Redakteur Konrad Kramar sicher - warum, lesen Sie hier.

Ein hübsches Bild: Bundespräsident Gauck und Obama beim gemeinsamen Winken im Bellevue-Palast, dem Sitz des Präsidenten in Berlin.

Die deutsche Bundesregierung stellt die besten Fotos bisher zusammen - die gibt's hier zu sehen.

Die Berliner Innenstadt ist Sperrgebiet - das Sicherheitsaufgebot ist enorm. Der Präsident wird hinter einer kugelsicheren Scheibe sprechen.

Nach der Pressekonferenz gibt's ein Mittagessen unter vier Augen. Auf der Karte stehen laut deutschen Medien: Büsumer Nordseekrabben, Beelitzer Spargel mit Kalbsmedaillons und Früchtecrêpes.

Sechs Minuten lang ging es bei Obamas Statements um Prism: Das Spähprogramm habe Leben gerettet, er sei zuversichtlich, dass die richtige Balance zwischen Privatsphäre und Sicherheitsbemühungen gehalten wurde - dieselbe Verteidigungslinie seit Aufkommen des NSA-Skandals.

Es ist noch eine Stunde, bis zur Rede des US-Präsidenten, bei den brütenden Temperaturen such sich die Schaulustigen noch die letzten schattigen Plätze. Das Rote Kreuz versorgt erste Hitzeopfer.

Bei der Pressekonferenz sagte Merkel in Hinsicht auf die Überwachung des Internets durch die US-Regierung: "Das Internet ist für und alle Neuland". Rasch verbreitet sich der Spruch in den Sozialen Medien, die User spotten über die Kanzlerin.

Ein Überblick über #neuland:

Spannung bei Fragen um das höchst umstrittene PRISM-Spähprogramm der US-Regierung: Merkel mahnte bei der gemeinsamen Pressekonferenz Verhältnismäßigkeit an. Sie habe mit Obama einen offenen Informationsaustausch zu dem Thema vereinbart. "Dieser Dialog wird weitergehen", sagte Merkel. Die Kanzlerin hatte bereits im Vorfeld angekündigt, das Überwachungsprogramm ansprechen zu wollen - was jedoch mit Skepsis betrachtet wurde. Experten gehen davon aus, dass auch der deutsche Nachrichtendienst, der selbst die Internetüberwachung ausbauen will, von PRISM profitierte.

Proteste gegen Guantanamo: Dass Obama versprach, binnen eines Jahres das Gefangenenlager auf Kuba zuzusperren, ist nicht vergessen. In Sichtweite des Hotels, in dem die Obamas wohnen, haben Aktivisten von Amnesty International demonstriert. Die nach Angaben eines AFP-Fotografen etwa 40 Demonstranten waren in orange Overalls gekleidet, wie sie auch von den Insassen des Lagers auf Kuba getragen werden.

Auch die Frauenorganisation Femen protestierte.

Gemeinsame Pressekonferenz der Kanzlerin mit Obama: Die geplante Freihandelszone zwischen den USA und der EU sei ein Projekt von herausragender Wichtigkeit. Mit der Freihandelszone könnten auf beiden Seiten des Atlantiks wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden. Merkel erklärte: "Mir persönlich liegt sehr viel an diesem Freihandelsabkommen." Es sei für Deutschland und Europa von großer Wichtigkeit. Sie werde sich mit voller Kraft dafür einsetzen. Obama sagte, eine Freihandelzone zwischen der Europäischen Union und den USA wäre auch ein Signal für einen weltweiten Freihandel.

Die Obama-Rede ist nicht das erste Mal in Berlin. Vor fünf Jahrenm, als er noch Senator und Präsidentschaftskandidat war, begeisterte er Hunderttausende Deutsche. Als Präsident ist es sein erster Besuch. Am Dienstag kam Obama in Berlin an und wohnt im von Journalisten und Schaulustigen belagerten Ritz Carlton. Am Mittwoch besuchten Ehefrau Michelle und Töchter Sasha und Maliah das Holocaust-Denkmal.

Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren stand John F. Kennedy hier und machte den Berlinern Mut auf eine bessere Zukunft. Heute steht sein Nachfolger Barack Obama hier - schwer geschüttelt vom NSA-Skandal. In seiner Rede am Nachmittag will er aber nicht auf die weitreichende Überwachung ausländischer - und damit auch deutscher -Bürger eingehen. Stattdessen will er über für atomare Abrüstung werben. Die Zahl der atomaren Sprengköpfe solle um ein Drittel unter das Niveau sinken, das in der "New START"-Vereinbarung mit Russland 2010 festgehalten worden sei, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter von Obama am Mittwoch.

Obama soll auch auf Kennedy anspielen und den Westen an seine Verantwortung für die Welt erinnern. "Es ist ein Aufruf an die Bürger und Regierungen, zu tun, was notwendig ist, damit wir in den kommenden 50 Jahren so viel Erfolg haben wie in den vergangenen 50", sagte Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes.