"Besser als die Deutschen": Wettlauf um Iran-Geschäfte

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Foto: AP/Vahid Salemi Plakat-Werbung für Bulgari-Uhren in Teheran

Deutschland brachte erste Delegation nach Teheran, Österreich punktet mit hochkarätiger Investoren-Konferenz.

Die Sanktionen gegen den Iran sind noch gar nicht aufgehoben, da hat das Werben um Kunden schon voll eingesetzt: Luxushersteller Bulgari preist in Teheran großflächig seine Uhren an. Westliche Marken, Konsum- und Luxusgüter sind bei Irans kaufkräftiger Mittelschicht heiß begehrt. Mit 78 Millionen Einwohnern (mehr als Frankreich), der Großteil sehr jung, ist der Iran ein riesiger Absatzmarkt.

Der größte Schatz liegt freilich gar nicht in den Geldbörsen der Iraner. Es sind die rund 100 Milliarden Dollar, die das Land Schätzungen zufolge aus Erdölverkäufen auf ausländischen Bankkonten liegen hat – und die im Zuge der Wirtschaftssanktionen eingefroren waren.

Goldgrube für Investitionen

Diese Goldgrube dürfte bald für Investitionen angezapft werden. Die Gas- und Ölförderung könnte sich verdreifachen. Zudem sind 80 Prozent der Industrie-Infrastruktur nach neun Sanktionsjahren veraltet, sagt der Wirtschaftsdelegierte Georg Weingartner. Gut für Österreich: Der Anlagen- und Maschinenbau gilt als große Stärke.

Der Iran habe schon in der Vergangenheit auf "Made in Austria" gesetzt, bestätigt Karl Hartleb, stellvertretender Leiter der Aussenwirtschaft Austria: "Da sind wir breit aufgestellt. Die Palette reicht von Maschinen über pharmazeutische Produkte, Kunststoffe und daraus hergestellte Waren bis zu Papier und Pappe, aber auch Lebensmittel, Schuhe, Fasern und Stoffe."

Am Höhepunkt 2004 betrug Österreichs Exportleistung in den Iran schon 400 Millionen Euro. Zuletzt hatte sich dieser Wert fast halbiert - mittelfristig sollte sogar eine Milliarde Euro möglich sein, erwartet Hartleb, der selbst sechs Jahre im Iran war.

Österreich erst im September

Die Konkurrenz ist aber groß. Nach dem Atomabkommen von vergangener Woche ist der Wettlauf der Technologie- und Infrastrukturfirmen eröffnet. Besonders eilig hatte es Deutschland: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel traf am Sonntag als erster westlicher Spitzenpolitiker mit einem Dutzend deutscher Firmenvertreter in Teheran ein.

Geplant ist, dass auch Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Sebastian Kurz in den Iran aufbrechen – ebenfalls mit einer Wirtschaftsdelegation, aber frühestens im September. Ist Österreich also im Hintertreffen?

"Besser als die Deutschen"

„Im Gegenteil, wir sind besser. Die Deutschen müssen hinfahren, zu uns kommen die Iraner“, sagt Manfred Kainz, Chef von Industriedienstleister TCM International und Gesellschafter des steirischen Autoclusters ACstyria, zum KURIER. Eine 60-köpfige Delegation aus Politik und Wirtschaft kommt nämlich schon diese Woche nach Wien.

File photo of Iranian deputy oil minister Nematzad Foto: /Morteza Nikoubazl Industrieminister Nematzadeh Anlass ist die erste internationale Business-Konferenz nach dem Atom-Abkommen, die am 23. und 24. Juli in der Wirtschaftskammer stattfindet.

Angebahnt wurde diese Veranstaltung schon Mitte März, gemeinsam mit dem iranischen Think-Tank Ravand Institut. Dessen Gründer Seyed Mohammad Hossein Adeli ist unter anderem der Generalsekretär der Vereinigung gasexportierender Länder.

Hochkarätig sind auch die Gäste: So begrüßt WKO-Chef Christoph Leitl am Donnerstag Irans Vizepräsidenten Sorena Sattari, der für Technologie zuständig ist, und Industrieminister Mohammed Reza Nematzadeh.

Automobil-Land Iran

Neben deutschen Konzernen wie Linde oder Messer (Industriegase) haben sich 150 heimische Firmen angemeldet, darunter etwa die OMV. Sie sieht das Agreement als "positives Signal". Für Schlüsse sei es aber noch viel zu früh. Geschäfte waren wegen der Sanktionen nicht möglich, den Kontakt in den Iran hat die OMV aber nie abreißen lassen: Ein kleines Repräsentation-Büro in Teheran war immer besetzt.

Siegfried Wolf,ÖIAG… Foto: KURIER/Jürg Christandl Siegfried Wolf, Russian Machines Gemeldet haben sich für die Konferenz auch viele Automobil-Zulieferer: Der Iran gehört mit 1,2 Millionen Fahrzeugen zu den größten Produzenten. Hersteller wie Iran Khodro oder Saipa sind bei uns kaum bekannt, beliefern aber die riesigen asiatischen Märkte. Österreichs Zulieferer würden nicht als Konkurrenz empfunden, könnten dem Iran aber viel technologische Expertise bieten, sagt Kainz. Mit ihm sitzt unter anderem Auto-Manager Siegfried Wolf (Russian Machines, früher Magna) auf dem Podium.

Österreicher huckepack

Wenn deutsche Großkonzerne schon jetzt Wirtschaftsverträge anbahnen, sei das für heimische Firmen nur gut, heißt es aus der Wirtschaftskammer: Sie sind als Zulieferer und Subunternehmer huckepack mit dabei. Bergbau, Automobil, Öl und Gas, Petrochemie, Banken und Finanzen: Das sind die Konferenzthemen, dort liegen die großen Geschäftschancen. Auch bei der Wasser-, Verkehrs- und Energie-Infrastruktur und im Umweltschutz sieht Hartleb Potenzial, auch bei Lebensmitteln. Die größte Kläranlage und einige Kraftwerke seien mit maßgeblicher rot-weiß-roter Beteiligung entstanden.

Große Diskretion

Noch reden viele Firmen sehr zurückhaltend über ihre Pläne: Die Sanktionen sind nicht aufgehoben (s. unten), das könnte ab 2016 beginnen. Zudem werden Iran-Deals in Israel naturgemäß skeptisch beäugt – und die Menschenrechte geben Anlass zu viel Kritik. Umso mehr sei die Öffnung des Iran positiv, sagt Manfred Kainz, der dort seit 20 Jahren tätig ist: „Ich versuche, weltweit überall Geschäfte zu machen. Außer in Nordkorea.“

Iran-Deal

USA und Israel machen Stimmung - dafür und dagegen

US-Verteidigungsminister auf Werbetour für die Vereinbarung, während die UNO das Abkommen fixiert

Der UNO-Sicherheitsrat machte es am Montag fix: In New York gab er  grünes Licht für die schrittweise Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran. In Washington übermittelte US-Präsident Barack Obama indes die in Wien getroffene Vereinbarung im Atomstreit dem Kongress. Und in  Tel Aviv  traf US-Verteidigungsminister Ashton Carter ein, um für das Abkommen zu werben. Am Dienstag wollte er nach Saudi-Arabien weiterreisen. Dort wie auch in Israel herrscht große Skepsis gegenüber dem Deal.

"Schlechter Deal"

Vor allem Israel macht laut Stimmung gegen das Abkommen. Mit Blick auf die anstehende Begutachtung durch den US-Kongress hat Israels Premier Benjamin Netanyahu im US-TV erneut seine Sicht dargelegt: Das Abkommen ebne dem Iran den Weg zur Atombombe, es sei ein „schlechter Deal“ und „die größte Herausforderung für Israels Sicherheit“.

Ash Carter, Moshe Ya'alon Foto: AP/Carolyn Kaster Israels Verteidigungsminister Yaalon und Pentagonchef Carter gungsminister Yaalon und Pentagonchef Carter Und wohl auch mit Blick auf den US-Kongress konterte US-Außenminister John Kerry: Das Abkommen sei nicht auf Vertrauen gebaut, es basiere darauf, wie sich der Iran verhalte – und das könne verifiziert werden. Ein Iran  ohne eine Atomwaffe sei ein sehr anderer Gegner als ein Iran mit einer Atomwaffe.

Grünes Licht

Was die UNO am Montag im Detail beschloss, war die Aufhebung der zum Teil seit neun Jahren bestehenden Sanktionen gegen den Iran (Kontosperren, Reiseverbote, Wirtschaftssanktionen) – allerdings erst nach Bestätigung der UN-Atomenergiebehörde IAEO, dass der Iran seinen Verpflichtungen (Kontrollen von Atomanlagen) nachkommt. Ein Waffenembargo bleibt in Kraft. Nicht betroffen sind zudem Sanktionen seitens der EU und der USA. Der Beschluss in New York war aber der erste formelle Schritt zur Umsetzung der Vereinbarung der fünf UN-Vetomächte plus Deutschland.

Bis zur Umsetzung wird es noch dauern. Zunächst muss auch der US-Kongress das Abkommen beurteilen. Er hat  60 Tage Zeit, die Vereinbarung zu prüfen. Bei Republikanern wie Demokraten regt sich Widerstand. Obama hat aber bereits ein Veto angekündigt, sollte der Kongress ablehnen. Im Senat müsste das Abkommen in der Folge mit einer Zweidrittel-Mehrheit überstimmt werden, was als unwahrscheinlich gilt.

(KURIER) Erstellt am
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