Zahlreiche Menschen protestieren in Washington gegen Polizeigewalt

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland
11/08/2020

Nach der Wahl: USA gespalten in Jubel und Frust über Bidens Sieg

Währen die Biden-Anhänger auf der Straße tanzten, war die Stimmung bei den Trump-Fans alles andere als ausgelassen.

Hochstimmung auf der einen Seite, Frust auf der anderen: Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl zeigt, wie gespalten das Land ist. Während Anhänger der US-Demokraten in vielen Städten den Sieg ihres Kandidaten feierten, gingen andernorts wütende Anhänger des unterlegenen Amtsinhabers Donald Trump auf die Straße.

In seiner Heimatstadt Wilmington wurde Joe Biden mit tosendem Applaus zu seiner Siegesfeier empfangen. Zu einem Bruce-Springsteen-Song joggte der 77-Jährige für seine Siegesrede am Samstagabend auf die Bühne und versprach, sich für eine Versöhnung des Landes einzusetzen.

Zu der Drive-In-Party waren wegen der Corona-Pandemie nur rund 360 Autos von Anhängern zugelassen, die im Kontrast zu Trumps Anhängern trotz der Feierstimmung diszipliniert Schutzmasken trugen. Tausende weitere jubelnde und tanzende Menschen säumten die Straßen auf dem Weg zu der Veranstaltung. "Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte die 26-jährige Finanzanalystin Juliana Panzera. "Es fühlt sich fast zu gut an, um wahr zu sein. Aber Gott sei Dank ist es das nicht."

Auch in New York brachen die Biden-Anhänger nach dem Wahlsieg der Demokraten in Jubel aus. Mit "Trump ist gefeuert!"-Sprechchören feierten tausende Menschen in der Ostküstenmetropole den baldigen Auszug des republikanischen Amtsinhabers aus dem Weißen Haus.

In New York, zugleich Heimatstadt des Immobilienmilliardärs Trump und Hochburg der Demokraten, ist die Wut auf den Amtsinhaber besonders groß. "Ich habe noch nie so viel Freude in der Stadt gesehen, es ist super schön", sagte der 23-jährige Hiram Gonzalez vor dem Trump Tower. Trump sei "ein Rassist, homophob, er ist islamfeindlich - alles, was er repräsentierte, ist gegen mich und meine Werte und wie ich erzogen wurde", sagte der Sohn eines Einwanderers aus Mexiko.

Auch in der Hauptstadt Washington strömten tausende Menschen auf die Straßen. "Ich bin wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Ich habe so viele Jahre auf diesen Tag gewartet", sagte Jack Nugent, ein 24-jähriger Software-Ingenieur.

Alles andere als ausgelassen war die Stimmung der Trump-Fans in Phoenix im Bundesstaat Arizona. Dort wiederholten seine Anhänger den unbelegten Vorwurf des Republikaners, bei der Stimmenauszählung sei systematisch betrogen worden.

Vor dem Kapitol in Phoenix versammelten sich hunderte Trump-Anhänger. Viele von ihnen trugen als Zeichen ihrer Unterstützung für den Präsidenten rote Baseball-Mützen. Auf Bannern waren Aufschriften zu lesen wie: "Stoppt den Diebstahl". Bereits in der Wahlnacht hatte Trump den oppositionellen Demokraten unterstellt, ihm den Wahlsieg "stehlen" zu wollen; seither hat der Präsident es abgelehnt, seine Niederlage anzuerkennen.

Sie wolle "friedlich" für Trump kämpfen, sagte die 51-jährige Lebensberaterin Shannon Morris: "Trump hat für unser Land gekämpft, und ich werde für ihn kämpfen."

Die 77-jährige Donna McCollum beklagte, Bidens Wahlsieg sei zu früh ausgerufen worden. "Entschieden wird im Wahlkollegium", betonte sie. Dessen Abstimmung habe aber noch nicht stattgefunden. Zudem gebe es "viel Betrug". Die Wahl müsse entweder "komplett wiederholt" oder die Stimmen neu ausgezählt werden.

Auch im Bundesstaat Pennsylvania, den Biden von den Republikanern zurückerobert und sich so den Wahlsieg gesichert hatte, gingen Trump-Anhänger gegen angeblichen Wahlbetrug auf die Straße. Der Protest fiel dort allerdings deutlich kleiner aus als in Arizona - vor einem zum Auszählungslokal umfunktionierten Tagungszentrum in der Metropole Philadelphia versammelten sich nur rund 40 Trump-Anhänger.

In Atlanta im Südstaat Georgia kam es zu einer brenzligen Situation, als sich eine Gruppe bewaffneter Biden-Anhänger in der Nähe einer Demonstration von Trump-Anhängern in Stellung brachte. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern kam es aber nicht. Das Tragen von Waffen ist in Georgia legal.

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