Politik | Ausland
03.09.2018

Mittelmeerroute: Weniger Migranten, mehr Tote

Laut UNHCR ist die Mittelmeerroute gefährlicher geworden - heuer sind 1540 Menschen ertrunken oder gelten als vermisst.

Die Überquerung des Mittelmeers ist für Migranten im Jahr 2018 noch tödlicher geworden: Laut einem Bericht des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in diesem Jahr von Januar bis Ende Juli 1540 Menschen beim Versuch, per Boot nach Europa zu gelangen, gestorben oder abgängig geworden.

Der Bericht „Desperate Journeys“ (auf Deutsch etwa „Verzweifelte Überfahrten“) zeigt außerdem, dass die Gesamtzahl der nach Europa kommenden Menschen zwar drastisch zurückgegangen, die Zahl der Todesfälle aber gleichgeblieben ist, gerade auf der zentralen Mittelmeerroute. Dort starb oder verschwand zwischen Januar und Juli 2018 jeder 18. Mensch, im gleichen Zeitraum 2017 endete die Überfahrt für jede 42. Person tödlich.

69.067 Menschen sind laut UNHCR heuer in Europa angekommen, vergangenes Jahr waren es noch 172.301. Im Herbst ist wetterbedingt nicht mit vielen Überfahrten zu rechnen. Vonseiten des Hilfswerks gibt es auch Kritik an der momentanen Vorgehensweise Europas im Umgang mit der Seenotrettung: „Dieser Bericht bestätigt erneut, dass die Überquerung des Mittelmeeres eine der tödlichsten Passagen der Welt ist", sagte Pascale Moreau, Direktorin des UNHCR-Büros für Europa. „Die Zahl der Menschen, die an Europas Küsten ankommen, sinkt. Es stellt sich nunmehr nicht mehr die Frage, ob Europa die Ankunftszahlen bewältigen kann, sondern ob es sich menschlich genug zeigt, Leben zu retten.“ Die meisten ertrunkenen Flüchtlinge und Migranten sind laut UNHCR von Libyen aus in See gestochen.

Im Bericht ist auch von einem Anstieg von Rettungen durch die libysche Küstenwache die Rede: 18.400 Migranten wurden zwischen August 2017 und Juli 2018 abgefangen oder gerettet, das ist eine 38-prozentige Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum von vor einem Jahr. Die EU und insbesondere Italien unterstützen die libysche Küstenwache mit massiven Zahlungen.

UNHCR kritisierte jedoch, dass Tausende Migranten wieder nach Libyen zurückgebracht worden seien – im Land tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg, derzeit finden in der Hauptstadt Tripolis die schwersten Kämpfe seit 2014 statt, die sogenannte Einheitsregierung, die von der Internationalen Gemeinschaft unterstützt wird, hat quasi keinen Einfluss im Land. Die Küstenstädte werden von untereinander verfeindeten Milizen kontrolliert. Migranten, die dort auf eine Möglichkeit warten, nach Europa aufzubrechen, werden Berichten zufolge massiv misshandelt.