Politik | Ausland
02.09.2017

Trumps Traum: Mit dem Kopf durch die Mauer

Vier Unternehmen bauen in den nächsten Wochen erste Mauerteile an der Grenze.

"Unüberwindbar" und "farblich ansprechend" soll sie sein – letzteres zumindest auf US-Seite. Die Mauer, die US-Präsident Donald Trump gebetsmühlenartig im Wahlkampf gefordert hatte, soll erste Formen annehmen. An vier Stellen der US-Grenze zu Mexiko haben vier Unternehmen die Möglichkeit, ihre Interpretationen von Trumps Vorstellungen zu errichten: Ein Bollwerk gegen illegale Migration und Drogenschmuggel. In zwei Wochen soll der Bau beginnen, die Abschnitte werden in der Grenzstadt San Diego errichtet, wo sich bereits ein Zaun befindet. Jeweils 336.000 bis 420.000 Euro bekommen die Unternehmen zur Verfügung gestellt, um Mauern mit neun Metern Höhe und neun Metern Länge aufzubauen.

Das Projekt ist bei Demokraten und einigen Republikanern höchst umstritten – für Trump wird es schwierig, im Senat eine Mehrheit für die Finanzierung des Mauerbaus zu bekommen. Um dieses Problem zu lösen, warf der US-Präsident am Wochenende den verbalen Bulldozer an: "Glaubt mir – und wenn wir die Regierung stilllegen müssen – wir werden diese Mauer bauen", sagte er und drohte, seiner eigenen Regierung den Geldhahn abzudrehen.

Geld abgezweigt

"Die Amerikaner haben für eine Kontrolle der Immigration gestimmt, das ist einer der Gründe, warum ich hier bin, und das ist, was das amerikanische Volk verdient und auch bekommen wird", legte Trump nach. Dass er die Bewilligung für 1,34 Milliarden Euro im Jahr 2018 bekommt, gilt trotzdem als unwahrscheinlich. 17 Milliarden hat er insgesamt veranschlagt und will diese jährlich im Budget wissen. Bis jetzt hat Trump 16,7 Millionen Euro für den Bau der Prototypen zur Verfügung – laut der New York Times wurde das Geld von anderen Projekten abgezweigt.

"Niemand baut Mauern besser als ich", hatte Trump oft getönt und seinen Wählern versprochen, dass Mexiko den Bau finanzieren werde. Daraus wurde bekannter Weise nichts. Kritiker im Kongress beschuldigten ihren Präsidenten, dass er Milliardenbeträge von der US-Stelle für Katastrophenhilfe für den Mauerbau abzweigen wolle – nach Hurrikan Harvey (siehe auch Seite 8) dürften diese Pläne vom Tisch sein.

30 Tage Zeit

Die vier beauftragten Firmen konnten sich gegen 200 Bewerber durchsetzen und haben 30 Tage Zeit, ihr Können zu zeigen. Sind die Prototypen fertiggestellt, wird das Ministerium für Innere Sicherheit Mitarbeiter schicken, die die künftigen Mauerteile zwei Monate lang mit "kleinen Handwerkzeugen" bearbeiten werden. Dies sei notwendig, um die Qualität der Bollwerke gegen Sabotageversuche zu testen. Ronald Vitiello, der stellvertretende Chef der US-Grenzsicherungsbehörde, betonte, dass es bei der endgültigen Beurteilung nicht nur auf die Ästhetik ankomme, sondern auch auf die Qualität der "Anti-Kletter-Vorrichtungen".

Während Trumps Präsidentschaft hatte es immer wieder Satire-Entwürfe für die Mauer gegeben – unter anderem schlugen mexikanische Designer den Bau einer rosa Mauer vor, in der Gefängnisse und Kaufhäuser Platz hätten. Auch wenn Trump auf diese Pläne nicht einging, hat auch er eine Vision, die der einer pinken Mauer nicht unähnlich ist. Auf die Beton-Projekte folgt noch ein Wettbewerb: Vier weitere Unternehmen sollen Mauern bauen, die nicht aus Beton bestehen, sondern durchsichtig sind.