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Politik Ausland
10/14/2019

Militärstratege: "Ein Krieg Türkei gegen Syrien ist vorerst auszuschließen"

Trotz der sich zuspitzenden Lage in Nordsyrien werden sich die Akteure zurückhalten, sagt Brigadier Walter Feichtinger.

von Ulrike Botzenhart

Nach dem Einmarsch der NATO-Macht Türkei in Syrien stellt sich die Frage, kann jeder alles in der NATO machen? Brigadier Walter Feichtinger sieht es nicht so drastisch. „Das Ansinnen der Türkei, in Syrien eine Pufferzone einzurichten, ist nicht überraschend und wurde schon vor Monaten angekündigt.

Allerdings ist es für die NATO schon eine neue Situation, wenn ein Mitgliedsland ein militärisches Vorhaben macht – und die NATO als Allianz in diesem Fall nicht funktionieren kann.“

Die Gefahr, dass es zu einem Krieg zwischen der Türkei und Syrien kommt und die NATO-Partner der Türkei zur Seite springen müssen, sieht der Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement „vorerst nicht“. Warum?

„Trotz aller Kriegsirrationalitäten haben wir es derzeit mit Akteuren zu tun – hier nenne ich vor allem Russland –, die sehr wohl ein strategisches Kalkül haben und auch die Gefahren und Risiken einplanen.“ Er gehe daher nicht davon aus, dass es tatsächlich zu einem Kampf zwischen syrischen und türkischen Truppen kommen werde.

Dagegen sprächen auch die Ziele, die die Regierung in Ankara mit der Intervention verfolge:

die Bekämpfung des kurdischen PKK-Ablegers YPG in Nordsyrien, um die Gefährdung des türkischen Territoriums zu unterbinden;

die Verhinderung eines großen zusammenhängenden kurdischen Gebietes;

die Absicht Ankaras, Flüchtlinge aus der Türkei zurück auf syrisches Territorium zu übersiedeln.

„Und da würde ein Krieg gegen Assads Truppen überhaupt nicht ins Bild passen“, erklärt der Militärstratege. „Ich gehe daher davon aus, dass man rechtzeitig zurückzieht – oder dass es im Hintergrund Absprachen gibt.“

Russland spiele dabei – wie überhaupt seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 – „eine entscheidende Rolle“. Russland habe das Assad-Regime von Anfang an „enorm unterstützt“. Erst mit Rüstungslieferungen, ab 2015 mit Luftangriffen. Feichtinger: „Nur das militärische Eingreifen Russlands hat den bisherigen ,Erfolg‘ Assads möglich gemacht.“

Europa stellte sich taub

Was Europa gefährlich werden könne, seien IS-Kämpfer, die nach der türkischen Intervention gegen die Kurden wieder aus den Gefängnissen frei kommen könnten. Tausende sind in der Hand der Kurden. Feichtinger: „In den vergangenen Monaten gab es großen Druck der USA auf Europa, IS-Kämpfer aus ihren Ländern zurückzunehmen und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Aber Europa hat sich taub gestellt, und das fällt uns jetzt auf den Kopf.“ Die Forderung, dass Europa hier Verantwortung übernimmt, bleibe aber auf dem Tisch. „Wir können uns nicht in eine Opferrolle flüchten, wenn wieder Gefahr durch diese Menschen entsteht.“

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