Politik | Ausland
30.06.2017

Migranten: Italien sucht nach Unterkünften

Das Innenministerium droht mit der Aufstellung von Zeltlagern sollten Bürgermeister nicht mehr Flüchtlingseinrichtungen zur Verfügung stellen.

Angesichts der anhaltenden, starken Flüchtlingswelle aus Nordafrika bemüht sich Italien, die Zahl der Unterkünfte für Asylsuchende aufzustocken. Das Innenministerium rechnete bisher mit der Ankunft von 200.000 Migranten im gesamten Jahr 2017. Wegen der hohen Zahl von Ankünften in den vergangenen Tagen sucht das Innenministerium nun nach zusätzlichen 20.000 Unterkünften für die Migranten.

Nachdem in vier Tagen 12.500 Migranten im Mittelmeer gerettet wurden, befürchtet Italien einen Kollaps seines Systems. Nach den massiven Flüchtlingsankünften der vergangenen Wochen sind alle Flüchtlingseinrichtungen heillos überfüllt. Der Plan des Innenministeriums, laut dem jede italienische Gemeinde 2,5 Migranten pro 1.000 Einwohnern versorgen soll, könnte angesichts der steigenden Zahlen nicht ausreichen. Italien hat in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Unterkünfte für Migranten mehr als verfünffacht, berichtete das Innenministerium.

Die Regierung in Rom macht Druck auf die norditalienischen Regionen, mehr Migranten aufzunehmen. Flüchtlingslager sollen unter anderem in leeren Kasernen, Turnhallen oder Schulen eingerichtet werden. Auch in Hotels, auf Campingplätzen und in Feriendörfern sollen Menschen untergebracht werden. Einige Bürgermeister zeigen jedoch kaum Kooperationsbereitschaft. So hatte Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi kürzlich mitgeteilt, dass die italienische Hauptstadt keine weiteren Migranten aufnehmen wolle.

Innenministerium droht

Das Innenministerium drohte mit der Aufstellung von Zeltlagern, sollten Gemeinden nicht verstärkt Flüchtlingseinrichtungen zur Verfügung stellen. Der Innenminister hatte sich zuletzt für eine faire Lastenverteilung der Flüchtlingsversorgung innerhalb Italiens ausgesprochen. Die Region, die bisher am meisten Flüchtlinge aufgenommen hat, ist die Lombardei, gefolgt von Latium mit der Hauptstadt Rom und dem süditalienischen Kampanien.

Besonders schwierig ist die Lage für die vielen minderjährigen und unbegleiteten Migranten. Seit Jahresbeginn trafen über 8.000 Kinder ein. Das Innenministerium bemüht sich daher um mehr Unterkünfte für minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern. Das italienische Parlament hatte im März ein Gesetz zum Schutz unbegleiteter Flüchtlinge verabschiedet, die ohne Eltern in Italien eintreffen. Das Gesetz gewährt Migrantenkindern dieselben Rechte wie europäischen Minderjährigen. Sie dürfen daher nicht abgeschoben werden.