Politik | Ausland
09.01.2018

Medizin-Check: Trumps Psyche wird nicht überprüft

Das Weiße Haus will die bevorstehende Untersuchung des Präsidenten erstmals öffentlich machen. Zu einer Befragung Trumps durch Russland-Ermittler Mueller gibt es kein Statement.

Bei der offiziellen medizinischen Untersuchung von Donald Trump Ende dieser Woche wird der psychiatrische Zustand des US-Präsidenten nicht überprüft. Auf eine entsprechende Frage sagte US-Präsidentensprecher Hogan Gidley am Montag nur knapp: "Nein." Der Präsident sei "blitzgescheit".

Der 71-jährige Trump, dessen geistige und körperliche Eignung für das Präsidentenamt immer wieder infrage gestellt wird, wird am Freitag im Walter-Reed-Militärkrankenhaus untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchung will das Weiße Haus erstmals öffentlich machen.

Der Arztbesuch findet vor dem Hintergrund der Enthüllungen in dem neuen Buch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus) statt. Das Buch enthält zahlreiche Zitate von wichtigen Mitarbeitern im Weißen Haus, die Zweifel an Trumps Eignung für das Präsidentenamt äußern. Unter anderem heißt es, Trump habe eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, wiederhole sich ständig und weigere sich, Notizen zu lesen. Der Autor zitiert mehrere Vertraute und Berater des Präsidenten, die ihn mit wenig schmeichelhaften Begriffen wie "Idiot" oder "Trottel" charakterisieren. Trump hatte sich daraufhin selbst als "stabiles Genie" bezeichnet.

Öffentliche Zweifel an Fitness

Spekulationen über Trumps geistige und körperliche Verfassung hatte es bereits wiederholt gegeben. So hatte er Anfang Dezember bei einer Rede auffällig undeutlich gesprochen, hatte stark genuschelt und Wörter verschluckt. Es wurde spekuliert, ob der 71-Jährige ein Gebiss trägt oder wie es um seine geistige Gesundheit bestellt ist. In der Vergangenheit hatten einige Psychiater bereits die Frage aufgeworfen, ob der Präsident an Demenz oder einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet.

Anders als es bei seinen Vorgängern üblich war, gab das Weiße Haus bisher keine Auskunft über den Gesundheitszustand des amtierenden US-Präsidenten. Während des Wahlkampfs hatte Trumps Arzt ihm eine "hervorragende Gesundheit" bescheinigt. Der Mediziner hatte bereits 2015 erklärt, falls Trump gewinnen würde, wäre er "der gesündeste Mensch, der jemals ins Präsidentenamt gewählt wurde".

Weißes Haus schweigt zu Befragung durch Mueller

Das Weiße Haus hat unterdessen eine Stellungnahme zu Berichten abgelehnt, wonach Trump schon bald von Sonderermittler Robert Mueller zur Russland-Affäre befragt werden könnte. Aus Respekt vor dem Sonderermittler kommentiere man die Kommunikation mit dem Büro von Mueller nicht, teilte Trumps Anwalt Ty Cobb mit.

Mueller führt unabhängige Ermittlungen zu möglichen illegalen Verbindungen zwischen dem Trump-Team und Russland vor dem Amtsantritt des US-Präsidenten. Er könnte auch Untersuchungen dazu anstellen, ob Trump oder manche seiner Vertrauten versucht haben könnten, die Justiz zu behindern. Die "Washington Post" berichtete nun, dass das Team von Mueller den US-Präsidenten "in den nächsten Wochen" befragen könnte. Eine der in Erwägung gezogenen Möglichkeiten sei, dass Trump schriftlich auf Muellers Fragen antworten könnte.

Trump hatte angedeutet, dass er mit Mueller sprechen würde, obwohl die Risiken einer solchen Unterredung für einen amtierenden Präsidenten groß sind. Zwei Mitarbeiter im Trump-Wahlkampfteam haben bereits gestanden, Ermittler belogen zu haben.