Politik | Ausland
17.01.2018

Medien-Hype um Besuch von Kanzler Kurz in Berlin

Sebastian Kurz trifft bei seiner Visite alles, was in Deutschland Rang und Namen hat.

Man sagt Angela Merkel und Sebastian Kurz nicht das herzlichste Verhältnis nach. Immerhin galt Kurz als Außenminister als einer ihrer schärfsten Kritiker, wenn es um die Flüchtlingspolitik ging. Heute treffen sie sich erstmals auf Augenhöhe im Bundeskanzleramt in Berlin: Da die mächtigste Politikerin Europas, dort der jüngste Bundeskanzler Europas.

Auch wenn Kurz bei Merkel das Eis erst brechen muss, der Rest des offiziellen Deutschlands hingegen scheint gespannt auf Kurz zu warten. Knappe 24 Stunden weilt der ÖVP-Kanzler in Berlin, und er trifft auf alles, was in Deutschland Rang und Namen hat – darunter auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Ein deutliches Zeichen, dass man den neuen Bundeskanzler in Berlin ernst nimmt", so ein Kenner der deutschen Politszene.

Zuerst absolviert Kurz ein Vieraugengespräch mit Merkel. "Hier steht für die Deutschen weniger die Flüchtlingspolitik im Vordergrund, sondern vielmehr wird Merkel von Kurz wissen wollen, wie er und die FPÖ die Europapolitik sehen, und dann gibt es noch das Thema Russland", so Berliner Insider.

Warum steht Russland im Fokus? Nun, die Deutschen sind skeptisch angesichts dessen, dass die Sicherheitsministerien und die Geheimdienste in der Hand der FPÖ sind. Die blauen Spitzen besuchen bekanntlich regelmäßig ihre politischen Partner in Russland. "Die Befürchtung ist, dass vertrauliche Informationen, die Österreich erhält, über die blauen Minister weiter nach Russland transportiert werden", so der Insider.

Thema EU-Reform

Die zweite große Frage auf der Agenda ist die EU-Reform. Sobald Merkel eine neue Regierung zustande gebracht hat, plant die Kanzlerin, die EU-Reform voranzutreiben – und da möchte Merkel wissen, ob sie in Kurz einen verlässlichen Partner hat.

Nach dem Arbeitsmeeting mit Merkel besucht Kurz auch noch den Präsidenten des Deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble. Danach steht die Aufzeichnung des ARD-Polit-Talks mit Sandra Maischberger auf dem Programm. Über zwei Millionen Deutschen verfolgen regelmäßig die Polit-Sendung. Kurz ist Solo-Gast bei Maischberger, was bisher nur bei politischen Größen wie Hillary Clinton passierte.

Unmittelbar nach der Aufzeichnung geht es weiter zu einem Dinner, das der Springer-Verlag für Sebastian Kurz veranstaltet. Neben sämtlichen Chefredakteuren aus dem mächtigen Verlagshaus (u. a. Bild, Welt) sind auch zahlreiche Wirtschaftsbosse eingeladen. "Hier haben viele Vorstände interveniert, um bei dem Abendessen dabei sein zu können", so der Berlin-Kenner. Vor der Rückreise nach Wien gibt es morgen noch eine Visite im Schloss Bellevue bei Bundespräsident Steinmeier. Ein Heimspiel für Kurz, denn die beiden sind befreundet .