Francois Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc Melenchon, Benoit Hamon und Marine Le Pen vor der TV-Debatte.

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Analyse
03/21/2017

Marine Le Pen hat keinen überzeugenden Gegenspieler

Die erste TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten zeigte vor allem die Schwächen der Kontrahenten von Le Pen.

von Danny Leder

Es gab keine „Sieger“, und es gab auch keine „Verlierer“ im herkömmlichen Sinn bei der dreieinhalbstündigen, ersten TV-Runde des französischen Präsidentenwahlkampfs, die am Montag-Abend begann und erst am Dienstag, um halb ein Uhr früh, endete. Zu diesem Zeitpunkt hatten die allermeisten Zuschauer, sofern sie noch auf waren, auf Krimi-Serien und Reality-Shows anderer TV-Sender umgesattelt.

Das will nicht heißen, dass dieses erstmalige öffentliche Zusammentreffen zwischen den fünf relevanten Kandidaten langweilig gewesen wäre oder bedeutungslos verhallte. Bei einer überwiegend seriösen, ziemlich höflichen und dadurch ungestörten Präsentation der jeweiligen Programme schälten sich die Schwerelinien der anstehenden politischen Entscheidungen heraus. Dass dabei Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen möchte, dabei als eher normale und umgängliche Mit-Bewerberin behandelt wurde, machte die Nationalistin vermutlich zur eigentlichen Gewinnerin der Debatte. Ihrem Vater, Jean-Marie Le Pen, wurde eine derartige Akzeptanz niemals zuteil. Der weitaus rechtere Parteigründer wurde aber auch inzwischen von seiner Tochter, durch einen Partei-Ausschluss, entsorgt.

Gemeinsames Lachen

Dieser Erfolg von Marine Le Pen spiegelte sich vielleicht am meisten im mehrmaligen, gemeinsamen Lachen aller fünf Teilnehmer wieder, und zwar oft in Folge der witzigen Einlagen des Linksaußen-Tribuns Jean-Luc Melenchon. Mit seiner üblichen Schlagfertigkeit und Formulierungskunst bestätigte Melenchon auch wieder seinen Ruf als Entertainer der Nation. Er wurde damit ebenfalls zu einem Sieger dieser TV-Debatte.

Die Quer-Verbindung zwischen Melenchon und Marine Le Pen beschränkte sich aber nicht nur auf das gemeinsame Lachen. Der Links-Außen-Politiker, der einen Austritt aus der EU nicht ausschließen möchte (aber im Gegensatz zu Le Pen nicht standepe) und die Nato verlassen will (Marine Le Pen möchte „nur“ aus dem integrierten Kommando der Nato austreten), lieferte in der Diskussion der Nationalistin stellenweise die Munition. Melenchon schloss mit dem Satz: „Ich möchte Frankreich den Franzosen zurückerstatten, indem ich sie von der Oligarchie befreie“. Das gehört auch fast wortwörtlich zum Sprachgebrauch von Le Pen.

Rechtslinker Konsens gegen Macron

Vor allem aber trat eine Art Konsens zwischen Le Pen und Melenchon sowie dem Linkssozialisten Benoit Hamon in ihren Angriffen gegen den partei-unabhängigen Zentrumskandidaten Emmanuel Macron hervor. Sinngemäß unterstellten sie Macron, der als Banker gewirkt hatte bevor er in die Politik auf Seiten des SP-Präsidenten Francois Hollande ging, und der von einigen prominenten Unternehmern unterstützt wird, er sei ein Vollzugsgehilfe eben der reichen „Oligarchie“, von der Melenchon sprach.

Macron schlug sich wacker gegen diese Unterstellungen, er präsentierte sich auch wieder als zuversichtlicher Sendbote pragmatischer Lösungsvorschläge gegenüber den Untergangspropheten/innen. Aber sein Auftritt wirkte über lange Strecken verkrampft und hölzern. Seine Erklärungen mögen beruhigend auf alle jene wirken, die extremen Lösung misstrauen und namentlich Marine Le Pen verhindern wollen. Aber für jene, und das sind sehr viele in Frankreich, die die herkömmlichen wirtschaftspolitischen Methoden verwerfen, klangen Macrons Bekenntnisse eher hohl und altbacken.

Gegen Freihandel

Konkret stieß Le Pen bei ihrem Plädoyer gegen die „Katastrophe des globalisierten Freihandels“ auf wenig Widerrede und insgeheime Zustimmung der Linkskandidaten. Den entschiedensten Angriff gegen Le Pen führte noch der konservative Kandidat Francois Fillon, der die Nationalistin wegen ihrer Absicht, den Euro zu verlassen, als „Serial-Killer der (französischen) Kaufkraft und Arbeitsplätze“ bezeichnete.

Aber auch Fillon wäre wegen seiner Affären um die Scheinjobs seiner Frau und Kinder und wegen seines besonders harten Sparprogramms ein geschwächter Gegenspieler von Marine Le Pen in der Stichwahl, die am 7. Mai über den künftigen französischen Präsidenten entscheiden wird. Das ist im Grund genommen das Problem, das bei der TV-Debatte auch wieder sichtbar wurde: keiner der Kontrahenten von Le Pen wirkt zurzeit als überragender und mitreißender Hoffnungsträger.