Politik | Ausland
01.09.2018

Manfred Weber mit besten Chancen für Juncker-Nachfolge

Der EVP-Fraktionschef dürfe es Mittwoch offiziell machen: Er will Spitzenkandidat der EVP bei der EU-Wahl werden.

Wenn der sonst für eher trockene Wortmeldungen bekannte deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger geradezu ins Schwärmen gerät, steht zweifelsfrei fest: Manfred Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), ist „sein“ Mann. „Weber ist kompetent, hat alle Qualifikationen, ist fair und der geeignete Kandidat.“ Mit dieser Sicht ist Oettinger nicht allein: Auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, die lange an ihrem Vertrauten, Minister Peter Altmaier, festhielt, ist nun offensichtlich auf den 46-jährigen Bayern umgeschwenkt.

Damit hat Weber die nötige Rückendeckung, um seine Kandidatur nächsten Mittwoch bei einem EVP-Treffen offiziell zu machen: Jene für den Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei, mit dem die Wahlen um das EU-Parlament im Mai gewonnen werden soll.

Die EVP dürfte voraussichtlich die stärkste Fraktion bleiben. Damit hat der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen beste Chancen, den derzeitigen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in dessen Amt zu beerben.

Gekürt wird in Helsinki

Kommenden Donnerstag wird das Rennen eröffnet: Alle Kandidaten der EVP können sich bewerben. Manfred Weber wird nicht der einzige sein. Auch dem Brexit-Chefverhandler der EU-Kommission, dem Franzosen Michel Barnier, wird Interesse nachgesagt. Zudem sollen Finnlands Ex-Premier Alexander Stubb sowie Irlands früherer Ministerpräsident Enda Kenny damit liebäugeln, Juncker zu beerben. Wen die EVP letztlich zu ihrem kräftigsten Zugpferd für die Wahlen kürt, wird bei einem Kongress Anfang November in Helsinki entschieden.

Doch mit den allerbesten Chancen geht zweifellos Weber an den Start. Denn deutlich und unüberhörbar ist in Brüssel die anschwellende Forderung aus Deutschland zu vernehmen: Nach 52 Jahren sei es wieder einmal an der Zeit, dass ein Deutscher an der Spitze der EU-Kommission sitzt.

Der Weg dorthin hat sich nun überraschend aufgetan, nachdem die Regierung in Berlin zuletzt andeutete: Wichtiger als den nächstes Jahr frei werdenden Posten des Chefs der Europäischen Zentralbank mit einem Deutschen zu besetzen, sei es, die EU-Kommission zu leiten. Denn eines stand immer schon fest: Alle beide mächtigsten Jobs, die es in der EU gibt, können nicht von einem Deutschen besetzt werden.