Politik | Ausland
18.08.2017

Maduros Erzfeindin Luisa Ortega: "Ich gebe nicht auf"

Auf der Flucht. Die ehemalige Generalstaatsanwältin ist im Visier des allmächtig gewordenen Staatspräsidenten. Sie fürchtet um ihr Leben.

Sie ist die wichtigste Gegenspielerin von Staatspräsident Nicolás Maduro und eine Hoffnungsträgerin für den Frieden in Venezuela, Luisa Ortega Díaz. Seit Anfang August ist die vom Präsidenten kurzerhand abgesetzte Generalstaatsanwältin auf der Flucht und muss um ihr Leben fürchten, sagte sie Reuters. Diese Woche wurde ihr Haus vom venezolanischen Geheimdienst durchsucht. Ihr soll wegen "Fehlverhaltens" der Prozess gemacht werden.

Doch die 59-Jährige gibt nicht auf: "Ich kämpfe für die Freiheit und Demokratie in Venezuela", erklärte sie nach ihrer Absetzung.

Ortega, die sich für friedliche Verhandlungen und den Bestand der alten Chávez Verfassung eingesetzt hat, ist eine glühende Sozialistin. Sie stand in den ersten Reihen, als der ehemalige Präsident Hugo Chávez, durch dessen Billigung sie 2007 ins Amt gekommen war, beigesetzt wurde. Dessen Erbe sei unter Chávez’ Nachfolger Nicolás Maduro bedroht. Es brauche keine neue Verfassung, um die Krise zu überwinden, so Ortega.

In den letzten Monaten wurde die ehemalige Unterstützerin Maduros zu seiner schärfsten Kritikerin. Luisa Ortega gibt der Bewegung von Chavisten, die sich gegen den zunehmend autoritären Maduro stellen, ein Gesicht. Dieser dritte Pol gibt jenen eine Stimme, die sich weder mit der Opposition noch mit Maduro identifizieren können.

Vorwurf Wahlbetrug

Die Juristin und Menschenrechtlerin war im März, als das venezolanische Parlament ausgehebelt wurde, mit der Anklage des Verfassungsbruchs die treibende Kraft hinter dessen Wiedereinsetzung. Doch das von der Opposition geführte Parlament war Maduro ein Dorn im Auge. Seinen nächsten Schritt, eine verfassungsgebende Versammlung durch ein Referendum einzuberufen, konterte Ortega als Chefermittlerin mit dem Vorwurf des Wahlbetrugs. Die Versammlung tagte dennoch und suspendierte die unbequeme Gegnerin Maduros. Der Oberste Gerichtshof sperrte ihre Bankkonten und verhängte ein Reiseverbot.

Das Parlament ist praktisch entmachtet, und die Staatskrise in Venezuela hält an. Mindestens 120 Menschen wurden bei Demonstrationen in den vergangenen Monaten getötet.

Unter Druck

Auch Ortegas Mann, der frühere Abgeordnete German Ferrer, ist untergetaucht. Er wird von Tarek William Saab, dem linientreuen Generalstaatsanwalt und Nachfolger Ortegas, verdächtigt, Teil eines Rings von Schutzgelderpressern zu sein.

Staatstreue Medien führen unterdessen eine Hetzkampagne gegen Ortega. Die Vorwürfe reichen von einer Geisteskrankheit bis zu Zusammenarbeit mit der CIA.


Bei ihrer Absetzung schwor Ortega, dass sie weiterhin "für Freiheit und Demokratie in Venezuela" kämpfen werde, "für die Menschenrechte und die Freiheit, die dieses Land verloren hat".