Machtkampf am ANC-Parteitag

epa03510794 South African President Jacob Zuma during the 53nd ANC National Conference held in Mangaung, South Africa, 16 December 2012. The conference, held every five years, will decide the leader of the former struggle party. Jacob Zuma is facing a challenge to his leadership from deputy president Kgalema Motlanthe. EPA/KIM LUDBROOK
Weichenstellung. Parteichef Zuma, der bisher wenig bewirkte, muss um seine Wiederwahl bangen.

In seinem Heimatdorf Nkandla opferte die weitläufige Verwandtschaft des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma zwölf Kühe – damit die Neuwahl des Vorsitzenden des „African National Congress“ (ANC) zugunsten des 70-jährigen Familienmitgliedes ausgehen möge. Doch das ist nach den jüngsten Entwicklungen gar nicht mehr sicher. Nach der überraschenden Kandidatur von Vize-Staatschef Kgalema Motlanthe, 63, zeichnete sich auf dem am Sonntag  beginnenden Parteitag ein offener Machtkampf ab.

Zwar wird Zuma unter den 4500 Delegierten als Favorit gehandelt, doch sein Herausforderer kann auf die große Unzufriedenheit vieler Südafrikaner bauen. Denn unter der aktuellen ANC-Leitfigur hat sich kaum etwas zum Besseren verändert. Afrikas größte Volkswirtschaft wird heuer nur um 2,5 Prozent wachsen. Zum Vergleich: Äthiopien hat seit Jahren ein stabiles Wachstum von rund zehn Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt laut offiziellen Zahlen bei 25 Prozent, in Wahrheit ist sie viel höher. Und noch immer lebt die Hälfte der 50 Millionen Südafrikaner von umgerechnet weniger als zwei Euro pro Tag.

Wobei es eine eklatante Ungleichheit bei der Verteilung des Reichtums gibt. Zwar konnten auch einige wenige Schwarze stattliche Vermögen anhäufen, aber Weiße verdienen im Schnitt immer noch sechs Mal mehr als die schwarze Mehrheitsbevölkerung – und das fast zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid-Politik.

Korruption

Ein zentrales Problem des Landes: Die grassierende Korruption. Zuma selbst soll Staatsgelder für den Ausbau seines privaten Anwesens abgezweigt haben. Zudem sollen sich Angehörige und Freunde des Präsidenten bei fragwürdigen Geschäften, bei denen der Staat Auftraggeber war, eine goldene Nase verdient haben. Im jüngsten Ranking von Transparency International rutschte Südafrika auf den 69. Platz ab und rangiert nun hinter Ruanda oder Ghana. Die nationalen Kirchen meinten in einem offenen Brief, dass „viele Politiker den moralischen Kompass verloren haben“.

Der ANC, der auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken kann, steckt damit in einer seiner größten Krisen. Schlüssige Antworten blieb Zuma bisher schuldig. Doch der Polygamist, der drei Frauen und mehr als 20 Kinder hat, ist ein gevifter Stratege der Macht. Einst stürzte er seinen Vorgänger Thabo Mbeki vom ANC-Thron. Als ihm danach in der Person des charismatischen, aber ungestüm auftretenden Julius Malema, der die ANC-Jugend anführte, ein mächtiger Gegenspieler erwuchs, drängte ihn Zuma 2012 entschlossen aus der Partei. Und so könnte der 70-Jährige noch einmal reüssieren – und 2014 neuerlich für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren.

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