Politik | Ausland
10.12.2017

Maaßen: Zahl der Salafisten in Deutschland auf Allzeithoch

Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet den Rückzug der Szene ins Private.

In Deutschland halten sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes derzeit mehr Salafisten auf als je zuvor. Ihre Zahl sei auf "ein Allzeit-Hoch angestiegen", erklärte der deutsche Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Sonntag. "Das zeigt die anhaltende Attraktivität der salafistischen Ideologie."

Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Angaben des Kölner Bundesamtes von 9.700 im Dezember vergangenen Jahres auf derzeit 10.800 angestiegen. Im September diesen Jahres lag sie bei 10.300. Nach den Worten Maaßens ist zudem eine "Fragmentierung und Privatisierung" des Salafismus in Deutschland zu beobachten. Das mache die Beobachtung der Szene nicht gerade einfacher. Maaßen spricht von einer "besonderen Herausforderung für den Verfassungsschutz".

Öffentlich sichtbare Straßenmissionierung wie etwa die Koran-Verteilungen findet nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes nur noch selten statt. Das verbuchen die Verfassungsschützer auch als Erfolg der staatlichen Ermittlungen.

Kleine konspirative Zirkel

Die Radikalisierung findet nach ihren Erkenntnissen inzwischen weniger in Moscheen oder in größeren überregionalen salafistischen Organisationen als vielmehr in kleinen konspirativen Zirkeln statt - die sich vor allem im Internet bilden. Zudem beobachtet der deutsche Inlandsgeheimdienst immer häufiger Frauennetzwerke, in die die Nachrichtendienste nur schwer Zugang bekommen.

Ein besonderes Augenmerk legt der deutsche Verfassungsschutz derzeit auch auf Islamisten aus dem Nordkaukasus. Sie wiesen eine Affinität zu Gewalt, Kampfsport und Waffen auf, erklärte Maaßen. "Extremistische Nordkaukasier waren, neben dem Tschetschenienkrieg in ihrer Heimat, aktuell auch an den Kämpfen in Syrien und Irak maßgeblich beteiligt."

Schwerpunkte im Osten Deutschlands

Die islamistischen Nordkaukasier entfalten nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch in der Bundesrepublik extremistische Aktivitäten, verfügen dabei jedoch nicht über feste Strukturen. Die Zahl der aus nordkaukasischen Republiken wie Tschetschenien, Dagestan oder Inguschetien stammenden Islamisten liegt demnach im mittleren dreistelligen Bereich, also bei etwa 500 Personen.

Schwerpunkte sind ostdeutsche Bundesländer, vor allem Brandenburg und Berlin. Aber auch in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bremen sind sie demnach zu beobachten. Die Szene ist europaweit vernetzt, nach außen aber stark abgeschottet.