Mailand

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Politik Ausland
04/05/2020

Lombardei führt Maskenpflicht für alle Bürger ein

Die italienischen Behörden verschärfen die gesetzten Maßnahmen noch weiter.

Als erste italienische Region führt die Lombardei eine Mundschutzpflicht für alle Bürger ein, die ihre Wohnung verlassen. Sollten die Menschen über keine Maske verfügen, müssen sie sich mit einem Schal, oder einem Tuch Nase und Mund bedecken, hieß es in einem Erlass der lombardischen Regierung, die am Sonntag in Kraft tritt.

Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte müssen Kunden Wegwerfhandschuhe und Desinfizierungsmittel zur Verfügung stellen. Blumenhändler dürfen offen halten. Sport darf nur in einem Umfeld von 200 Metern von der eigenen Wohnung betrieben werden. Hundebesitzer dürfen nur im Umkreis von 200 Meter von der eigenen Wohnung mit ihrem Vierbeiner spazieren gehen, geht aus dem Erlass hervor.

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Weitere Verschärfung der Maßnahmen

In der norditalienischen Region Venetien gelten seit Samstag noch rigorosere Maßnahmen zur Eingrenzung der Corona-Pandemie. Vorgesehen sind Neuerungen wie die Schließung der Supermärkte am Sonntag. In Supermärkten dürfen Kunden nur dann einkaufen, wenn sie Schutzmaske und Handschuhe tragen.

Erstmals seit gut einem Monat ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Intensivpatienten in Italien gesunken. 3.994 Menschen würden derzeit auf Intensivstationen behandelt, 74 weniger als am Vortag, sagte Zivilschutz-Chef Angelo Borrelli am Samstag. "Das sind sehr wichtige Neuigkeiten, denn das verschafft unseren Krankenhäusern eine Atempause", sagte Borrelli. In der besonders schwer betroffenen Region Lombardei konnten demnach etwa 50 Patienten die Intensivstation verlassen.

Gesundheitsminister Speranza: "Situation ist weiterhin dramatisch"

Die italienische Regierung rechnet weiter mit harten Zeiten. "Wir müssen die Wahrheit sagen: Die Situation ist weiterhin dramatisch. Der Notstand ist nicht zu Ende, die Gefahr ist nicht verbannt. Auf uns warten noch schwierige Monate", sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza.

"Wir müssen die Bedingungen schaffen, damit wir mit diesem Virus zusammenleben können, zumindest bis ein Impfstoff oder eine Therapie gefunden wird", sagte Speranza im Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera (Sonntag-Ausgabe). Die Regierung arbeite an einem Fünf-Punkte-Plan für die öffentliche Gesundheit. Prioritär sei dabei die soziale Distanz am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit.

Fünf-Punkte-Plan für öffentliche Gesundheit

Der Plan sieht unter anderem die Stärkung des lokalen Gesundheitsnetzes, sowie den Ausbau der Covid-Krankenhäuser vor. Auch wenn die Zahl der Neuinfizierten zurückgehen sollte, soll die heutige Zahl der Plätze in den Covid-Krankenhäusern erhalten bleiben, da eine Rückkehr der Epidemie nicht auszuschließen sei, erklärte Speranza. Hinzu sollen mehr Abstriche genommen werden, um zu begreifen, wie viele Italiener sich angesteckt haben. Geplant ist auch eine intensivere Heimbehandlung von Covid-Patienten.

Speranza begrüßte die sinkende Zahl von Patienten auf den Intensivstationen. "Das ist wichtig, damit unsere Krankenhäuser verschnaufen können. Außerdem bremst die Zahl der Neuinfektionen. Bis vor wenigen Wochen steckte ein Infizierter drei Personen an, jetzt nur noch einen", sagte der Minister. Er rief zur Einhaltung der Vorschriften ein: "Ohne Disziplin können alle bisher gemachten Opfer nutzlos gewesen sein."