Politik | Ausland
25.04.2017

Ermordeter Polizist: Partner bekennt seine Liebe

Homosexuelle Partnerschaft bei offizieller Trauerzeremonie in Pariser Polizeipräfektur anerkannt. Getöteter Beamte engagierte sich gegen Diskriminierung und für Toleranz.

Frankreich erlebte in den letzten Jahren leider eine ganze Reihe von Trauerversammlungen für Terroropfer. Aber die offizielle Zeremonie am Dienstag für den 37 jährigen Polizisten, Xavier Jugelé, der am vergangenen Donnerstag auf den Champs-Elysée erschossen worden war, brachte ein Novum.

Im Ehrenhof der Pariser Polizei-Präfektur, vor dem aufgebahrten Sarg von Xavier Jugelé, wandte sich sein Lebensgefährte zum Schluss seiner Rede nochmals, posthum, an den Ermordeten mit den Worten: „Ich liebe Dich“.

Dieses unmissverständliche Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft erfolgte im Beisein der ranghöchsten Amtsträger des französischen Staats, eine Vielzahl hoch dekorierter Polizei-Offiziere und der beiden verbliebenen Kandidaten für die bevorstehenden Präsidentenwahl – also dem liberalen Emmanuel Macron und der Nationalistin Marine Le Pen (Dabei hatten sich Führungspersönlichkeiten ihrer Partei noch an den ziemlich hysterischen Demonstrationen beteiligt, die sich gegen die Homo-Ehe richteten, die 2013 von der SP-Regierung beschlossen worden war).

Es war zwar Zufall, dass der dschihadistische Mörder auf den Champs-Elysée zuerst seine Waffe auf Jugelé richtete und dann noch zwei weitere Polizisten schwer verletzte, bevor er selber erschossen wurde.

Schwulen- und Lesbenbewegung in der Polizei

Aber das persönliche Engagement von Jugelé gegen Diskriminierung und für Toleranz und Weltoffenheit geriet dadurch nachträglich ins Rampenlicht. Der Beamte hatte aus seiner Lebensgemeinschaft mit einem Diplomaten kein Geheimnis gemacht und sie auch amtlich registrieren lassen. Er gehörte zu einer Gruppe, die in der Polizei lesbische, schwule und transsexuelle Beamte unterstützte und nötigenfalls verteidigte.

Sein Lebensgefährte sagte, Xavier habe gerade Aufträge sehr ernst genommen, wie den Schutz einer türkischen Einrichtung auf den Champs-Elysée, bei der er erschossen wurde. Er war auch unter jenen, die im November 2015 herbeieilten, um den Opfern des Massakers in der Konzerthalle „Bataclan“ beizustehen.

Der Journalist Antoine Leiris, dessen Frau damals im „Bataclan“ getötet wurde, schrieb einen weltweit beachteten, besonders berührenden Text (den auch das deutsche Magazin „Spiegel“ zu einer Titelgeschichte machte). Sein an die Terroristen gerichteter Leitsatz: „Ihr habt das Leben eines außerordentlichen Wesens, der Mutter meiner Kinder, geraubt, aber meinen Hass könnt ihr nicht haben“. Auf diesen Satz bezog sich jetzt der Gefährte des getöteten Polizisten: „Diesen Hass habe ich nicht, weil er Dir, Xavier, nicht ähnlich geschaut hätte.“

Bei Abschluss der Zeremonie ertönten die Glocken in der nahen Notre-Dame-Kathedrale – ein letztes, kirchliches Adieu an einen „Streiter für die Menschenrechte“, wie sein Lebenspartner ihn auch definiert hatte.