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Im Flüchtlingsstrom
11/23/2015

Leichter Weg für IS-Kämpfer über die Balkanroute

Nach wie vor hat FRONTEX keinen Zugang zu Daten europäischer Geheimdienste über die Dschihadisten.

von Ingrid Steiner-Gashi

Der syrische Pass, den man in der Nähe des Selbstmordattentäters am Eingang H des "Stade de France" in Paris gefunden hatte, sah echt aus. Doch echt, so viel weiß man mittlerweile, war nur das Passfoto – eines bisher nicht identifizierten Dschihadisten des "Islamischen Staates" (IS). Echt waren auch die Fingerabdrücke, die der junge Mann als vermeintlicher Flüchtling bei der Registrierung auf der griechischen Insel Leros hinterlassen hatte. Erwiesen ist auch: Ein zweiter Selbstmordattentäter von Paris ist ebenfalls über diese Flüchtlingsroute in die EU eingeschleust worden.

Genau vor diesem Szenario hatte die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX bereits vor eineinhalb Jahren gewarnt: Dschihadisten könnten die Flüchtlingskrise dazu nutzen, sich unter die Migranten zu mischen und unerkannt nach Europa einzureisen, um hier Terrorakte zu begehen, heißt es in einer Risikobeurteilung von FRONTEX vom April 2014.

Keine Daten

Doch geändert hat sich bis heute wenig: Nach wie vor hat FRONTEX keinen Zugang zu Daten europäischer Geheimdienste über die Dschihadisten. "Wir können also die Spur von Menschen, die möglicherweise in Terroraktivitäten verwickelt sind, gar nicht aufnehmen", klagte jüngst FRONTEX-Direktor Fabrice Leggeri.

Griechenland, wo derzeit die größte Zahl an Flüchtlingen EU-Territorium erreicht, weist jede Verantwortung von sich. "Wenn diese Personen nicht schon vorher in irgendeiner Form in Akten aufscheinen, ist es fast unmöglich, sie aus der Masse von Flüchtlingen herauszufinden", gibt Dimitris Amountzias zu bedenken. Der Leiter des größten Flüchtlingsregistrierungscamps in Griechenland, auf der Insel Lesbos, versichert, dass jede ankommende Person einen ausführlichen Sicherheitscheck absolvieren muss. Ohne diesen dürften die Flüchtlinge keine der Fähren besteigen, die sie danach aufs Festland bringen.

Das Problem dabei: Potenzielle Terroristen umgehen diese Checks offenbar leicht – mithilfe gefälschter Pässe. Diese liefern entweder kriminelle Syndikate, die derzeit auf dem Sektor gefälschter Dokumente Hochkonjunktur haben. Oder aber die Pässe sind tatsächlich echt: So sollen dem "Islamischen Staat" bei der Eroberung der syrischen Stadt Rakka fast 4000 leere Reisepässe samt offiziellen Stempeln in die Hände gefallen sein. Auf diese Weise konnte zweien der drei Selbstmordattentäter vor dem "Stade de France" Pässe mit passenden Fotos ausgestellt werden. Nur die Namen passen nicht dazu. Zumindest in einem Fall wurde nachgewiesen, dass er einem Syrer gehörte, der schon seit Monaten tot ist.

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