Politik | Ausland 28.01.2013

Legendäre Wüstenstadt Timbuktu befreit

Die Islamisten sind größtenteils auf der Flucht, vorher setzten sie aber die wertvolle Bibliothek in Brand.

Am Montag drangen französische und malische Streitkräfte ins labyrinth-artige Zentrum der sagenumwobenen Stadt Timbuktu vor. Soldaten gingen von Haus zu Haus, um untergetauchte Islamisten aufzustöbern. Diese waren großteils aber schon in die Wüste geflüchtet – um zuvor einen weiteren barbarischen Akt zu setzen: Sie setzten eine Bibliothek mit 30.000 Manuskripten in Flammen. Unschätzbar wertvolle Handschriften, zum Teil aus dem 13. Jahrhundert, wurden vernichtet. Bereits im Vorjahr hatten die „Gotteskrieger“, die 2012 den gesamten Norden Malis erobert hatten, Mausoleen dem Erdboden gleichgemacht. Wie viele andere Bauten Timbuktus zählten sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Rückeroberung der Wüstenstadt ist der zweite große Erfolg, den die Franzosen binnen weniger Tage verbuchen können. Bereits am Wochenende hatten sie Gao, die größte und strategisch wichtige Stadt im Norden Malis, unter ihre Kontrolle gebracht. Dort hatten die Extremisten mit Kontakten zum Terrornetzwerk El Kaida ihre Zentrale. Den Islamisten, die drauf und dran waren, im erweiterten Vorhof Europas ein zweites Afghanistan zu etablieren, bleibt jetzt nur noch die Stadt Kidal nahe der algerischen Grenze, wo am Montag zwei Menschen bei einem Anschlag auf eine Öl-Pipeline starben.

Die französische Luftwaffe flog um Kidal bereits massive Angriffe. Doch diese bergige Region einzunehmen, wird eine harte Nuss: Es gibt ein weit verzweigtes Höhlensystem, in das sich die Dschihadisten zurückgezogen haben könnten.

Überall, wo die französischen und malischen Soldaten, unterstützt durch rund 1700 einer 7700 Mann umfassenden Truppe der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“, einziehen, werden sie als Befreier empfangen – hatten doch die Islamisten eine Schreckensherrschaft mit Steinigungen, Auspeitschungen und Hände-Abhacken errichtet.

Furcht vor Anschlägen

Doch die Angst bleibt. „Weil sie (die Extremisten) auf dem Schlachtfeld keine Chance haben, könnten sie ihre Strategie ändern und jetzt auf eine Guerilla-Taktik setzen“, sagt der nationale Direktor von World Vision Mali, Chance Briggs, im KURIER-Telefonat. Aus Furcht vor Anschlägen seien in der Hauptstadt Bamako die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht worden: „Überall gibt es Straßensperren und Checkpoints. Die Nervosität ist groß.“ Seine Hilfsorganisation kümmert sich im Süden um Tausende Vertriebene. „Diese Menschen werden noch lange nicht in ihre Heimat im Norden zurückkehren können, weil ihre Häuser zerstört sind oder sie einfach einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt“, so Briggs.

( Kurier ) Erstellt am 28.01.2013