Ein Arbeits- und Obdachloser in New York während der Großen Depression

© REUTERS/HANDOUT

Politik Ausland
04/04/2020

KURIER-History: Als die USA das Krisen-Rettungspaket erfanden

Wenn der Westen heute ein Rezept gegen die Krise sucht, kommt US-Präsident Roosevelt und sein Versuch in den 1930ern ins Spiel.

von Konrad Kramar

Herr Präsident: Geld ausgeben, Geld ausgeben, Geld ausgeben!“ So schlicht und klar formulierte John Maynard Keynes selten. Schließlich war der berühmte britische Wirtschaftsforscher eigentlich Mathematiker und stellte seine Theorien daher gerne in äußerst komplexen Überlegungen zur Finanz- und Wirtschaftspolitik dar.

Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er ließ viele Regierungen verzweifelt nach Alternativen zu den unbegrenzten Freiheiten des Marktes suchen. So stand man auch in Washington vor den Scherben der gerade abgewählten Regierung des Republikaners Herbert Hoover. Der hatte mit strenger Budgetpolitik, drastischen Steuererhöhungen und sturem Glauben an die Kräfte der Marktwirtschaft die USA immer tiefer in die Krise gestürzt. Der eben erst zum Präsidenten gewählte Demokrat Franklin D. Roosevelt wollte jetzt alles anders machen. Wie genau, darüber rätselte man noch, schließlich ging es darum, den in den USA bisher unumstößlichen Glauben an die Kräfte des freien Marktes zumindest in Zweifel zu ziehen.

Dass sich Keynes im Dezember 1933 so persönlich an Roosevelt wenden sollte, hatte unterschiedliche Gründe. Der Ökonom sah in Roosevelt den Mann, der bereit war, seine Ideen für eine Reform der Wirtschafts- und Finanzpolitik in die Praxis umzusetzen. In dem erwähnten Brief, der in der New York Times veröffentlicht wurde, deklinierte Keynes dem Präsidenten seine Thesen herunter. Die wirtschaftliche Produktion müsse angekurbelt werden, um Arbeit zu schaffen und den Menschen wieder Kaufkraft zu geben. Dazu müsse die verfügbare Geldmenge erhöht werden, die Unternehmen müssten Anreize bekommen, zu investieren. Zuletzt aber müsse der Staat als Auftrag- und Arbeitgeber einspringen, und das mit Hilfe von „geborgtem oder gedrucktem Geld“.

Politisches Streitthema

Gerade diese Forderung wurde ja später zu einer Kernthese des Keynesianismus stilisiert und somit zum politischen Streitthema. Auch in der Corona-Krise ist die zentrale Frage, vor der die Notenbanken stehen: Wie schafft man das Geld, das man in die Wirtschaft pumpen will, und wie und wann zahlt man es zurück?

So einfach, wie in diesem Brief gefordert, sollte die Umsetzung von Keynes Thesen in Roosevelts Politik nicht ablaufen. Zwar saßen im Beraterstab des Präsidenten fast ausschließlich progressive Experten, die Keynes Idee eines staatlichen Eingriffs in die Wirtschaft teilten. Wie aber dieser Eingriff ablaufen sollte und mit welchen sozialen Maßnahmen man ihn begleiten solle, darüber war man sich zu Beginn von Roosevelts Amtsperiode noch keineswegs im Klaren.

Der „New Deal“ , als der diese Politik in die Geschichte eingehen sollte, war vor allem einmal ein eingängiger Wahlkampf-Slogan Roosevelts gewesen. Was in den Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs folgen sollte, war eine oft widersprüchliche Abfolge verschiedenster Maßnahmen. Viele davon, vor allem am Anfang, gingen schief. Was den „New Deal“ zuletzt erfolgreich machen sollte, darüber diskutieren Ökonomen bis heute. Oder, wie es einer dieser Ökonomen formuliert: „Der ’New Deal’ hat auch nicht immer funktioniert.“

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