Politik | Ausland
23.01.2018

Multimillionär wird neuer US-Botschafter in Wien

Kunstfreund Trevor Traina gründete Start-ups, verkauft Promi-Treffen und beendet die Vakanz an der Botschaft.

Stimmt der Senat in Washington der genehmigungspflichtigen Top-Personalie demnächst zu, dann führt Trevor Traina gewissermaßen eine Familientradition fort: Sein Großvater Wiley T. Buchanan Jr. war nicht nur Protokoll-Chef von Präsident Dwight Eisenhower, sondern Botschafter Amerikas in Österreich und Luxemburg.

Der 49-jährige Trevor Traina, Spross einer der ältesten und wohlhabendsten Industriellen-Familien San Franciscos und von Forbes auf ein dreistelliges Millionen-Vermögen geschätzt, soll so schnell wie möglich den seit dem Abtritt von Alexa Wesner vor einem Jahr vakanten Diplomaten-Posten in Wien antreten.

Geld für Trump, Bush

Warum Traina? Trainas Name findet sich auf der Liste der Geldgeber des Komitees, das nach der Wahl Trumps die Übergangsphase des "president-elect" bis zum Amtsantritt organisierte und unterstützte. Davor muss ein Sinneswandel eingesetzt haben: 2015 veranstalteten Traina und seine Frau Alexis ein Spenden-Dinner (2700 Dollar pro Gedeck) für Jeb Bush. Im Wahlkampf überwies der zweifache Vater noch 50.000 Dollar an den republikanischen Trump-Widersacher.

Mit Traina schickt die US-Regierung einen weit über Kalifornien und das Silicon Valley hinaus blendend vernetzten Kunstsammler und Philanthropen nach Österreich. Seine Familie kam zu Zeiten des Goldrausches nach Kalifornien. Vater John war Reeder. Mutter Diane "Dede" Wilsey ist bis heute eine bekannte, streitbare Philanthropin, die sich der Förderung von Kunst und Museen verschrieben hat. Im Familienstammbaum findet sich (als Trainas Ur-Ur-Großvater) der Gründer des Chemie-Riesen Dow Chemical. Zwischenzeitlich war die Bestseller-Autorin Danielle Steel Trevor Trainas Stiefmutter.

Internet-Unternehmen

Nach dem Studium in Princeton, Oxford und Berkeley (Politik und Wirtschaft) startete Traina diverse Internet-Startups wie SchemaLogic (Dokumente-Manager) und DriverSide (Wartungsportal für Autobesitzer). Das Produkt-Vergleichsportal CompareNet verkaufte er mit 30 für kolportierte 100 Millionen Dollar an Microsoft.

Schlagzeilen schreibt der oft in Levis-Jeans anzutreffende Superreiche mit der Online-Plattform Ifonly (www.ifonly.com). Die Firma verkauft – Zielgruppe: Besserverdienende – unter anderem maßgeschneiderte Einmal-Begegnungen mit Stars aus Kunst, Sport, Musik und Gastronomie. Etwa eine Trainingsstunde mit der Football-Legende Jerry Rice (45.000 Dollar). Oder eine Partie Golf mit Greg Norman. Ein Teil des Honorars muss für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Von seinen Eltern hat Traina die Leidenschaft für Kunst geerbt. Er sitzt in den Gremien verschiedener renommierter Museen. Traina selbst hat sich früh auf Fotografie spezialisiert. In einem eigens aus dem Feld gesprengten Untergeschoss in seinem Privat-Haus im exklusiven Stadtteil Pacific Heights ist eine hochkarätige Sammlung mit Werken von Walker Evans bis Andreas Gursky untergebracht. Für einen Original-Druck des ikonenhaften Bildes "Identische Zwillinge" von Diane Arbus bezahlte Traina rund 600.000 Dollar.

Rallye-Fahrer

Vor zehn Jahren nahm Traina mit seinem Audi R8 an einer Rallye von San Francisco nach Peking teil. Zwischenstation machte er beim damaligen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il. Traina und seine Frau Alexis bezeichnen die Vogue-Chefi Anna Wintour als "gute Freundin".

Mit der Entscheidung für Trevor Traina haben sich die vor einem Jahr aufgetauchten Spekulationen erledigt, nach denen der Industriellensohn und "Sound of Music"-Liebhaber Patrick Park neuer US-Botschafter in Wien werden sollte.