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Wie die USA Kuba nun den letzten Geldhahn abdrehen wollen

Ein US-Öl-Embargo hat den Druck auf die sozialistische Insel bereits massiv erhöht. Nun will die Trump-Administration eine wichtige Devisenquelle Havannas zudrehen: kubanische Ärzte, die im Ausland arbeiten.
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Francesco Moschella kann sich noch genau an die Zeit erinnern, bevor die Kubaner kamen. „Es war eine Katastrophe. Ich habe die Notaufnahme alleine am Laufen gehalten“, sagt der Chefarzt des Krankenhauses von Polistena (Kalabrien) zur Nachrichtenagentur Associated Press. Dann, im Jänner 2023, kam die Rettung: Ärzte und Gesundheitspersonal der Karibikinsel wurden inmitten der Coronakrise angestellt. Heute stellen sie die Hälfte des Personals in Moschellas Notaufnahme.

Das mag in Europa eine Besonderheit sein, in vielen Teilen der Welt aber keinesfalls. Schon seit den 1960ern arbeiten kubanische Ärzte - Fidel Castro sprach einst von einer „Armee der weißen Kittel“ - in vielen lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern, häufig in armen, abgelegenen Gegenden. 

Einnahmequelle für das Regime

Insgesamt sollen derzeit 22.000 kubanische Mediziner in rund 60 Ländern weltweit im Einsatz sein. Ursprünglich gedacht war diese „Solidaritätsmission“, um Kubas Ansehen (das Gesundheitswesen der sozialistischen Insel ist sehr anerkannt, das Personal gut ausgebildet) international zu stärken. Rasch wurde sie jedoch auch eine wichtige Devisenquelle für Havanna. Denn: Die Verträge des Gesundheitspersonals im Ausland werden über eine staatliche Vermittleragentur mit der kubanischen Regierung beschlossen. Diese behält dann auch den Großteil der Gehälter ein; der Mediziner bekommt nur einen kleinen Teil davon.

Wie der kubanische Ökonom Ricardo Torres gegenüber dem Wall Street Journal vorrechnet, spülte dieses System in seiner Blütezeit vor etwas mehr als einem Jahrzehnt jährlich etwa 8 Milliarden US-Dollar in Havannas Staatskassen. 2024 erwirtschaftete es immer noch 5,3 Milliarden US-Dollar - das entspricht rund der Hälfte der gesamten kubanischen Exporte. 

Nun soll damit Schluss sein - zumindest wenn es nach der US-Regierung von Präsident Donald Trump geht. Sie übt Druck auf Länder aus, entsprechende Kooperationen zu beenden. Kubanische Ärzte sollen direkt heimgeschickt oder zumindest nicht mehr über Havanna bezahlt werden. Andernfalls drohen Visabeschränkungen oder andere Sanktionen. „Das Regime bezahlt diese Ärzte nicht, nimmt ihnen ihre Pässe weg, und im Grunde handelt es sich in vielerlei Hinsicht um Zwangsarbeit“, so US-Außenminister Marco Rubio.

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Rund 128 kubanische Ärzte haben im März Honduras verlassen. Der konservative Präsidenten Nasry Asfura hat das Abkommen mit Havanna nicht verlängert.

Lage auf der Insel hat sich massiv verschlechtert

Es ist der nächste Akt in einer massiven Druckkampagne, die die USA gegen die benachbarte Insel fahren. Im Jänner hat die Trump-Administration ein Öl-Embargo und weitere Sanktionen verhängt, die die ohnehin marode Wirtschaft Kubas dramatisch verschlechtert haben. Lange Blackouts stehen auf der Tagesordnung; erst diese Woche ist das Stromnetz der Insel wieder landesweit zusammengebrochen. Auch vor dem Gesundheitssystem macht die Krise nicht Halt: Inzwischen fehlt es an Personal, Geräten, Medikamenten und so gut wie allem anderen. Mehr als 100.000 Menschen sollen derzeit auf eine Operation warten. Die Kindersterblichkeit hat sich verdoppelt.

Einige Länder – darunter Jamaica, Guatemala oder die Bahamas – haben unter dem Druck der USA die Gesundheitskooperation mit Havanna bereits beendet. Andere Länder, etwa Mexiko, wollen daran festhalten. „Es ist ein bilaterales Abkommen, das für Mexiko sehr vorteilhaft war“, so Präsidentin Claudia Sheinbaum im März.

Auch in Kalabrien will bzw. kann man auf die dort beschäftigten über 200 Ärzte nicht verzichten. Einerseits, weil ein akuter Personalmangel herrscht. Andererseits, weil es sehr billige Arbeitskräfte sind: Laut dem UN-Sonderberichterstatter über moderne Formen der Sklaverei werden kubanische Ärzte deutlich unter dem Durchschnitt der Gastländer bezahlt. In Kalabrien sollen sie, wie in einem Bericht von 2023 festgehalten wird, einen Monatslohn von 4.700 Euro erhalten, wovon jedoch auch noch 3.500 Euro an die kubanische Regierung überwiesen werden. Wer damit bricht oder den Arbeitsplatz im Ausland verlässt, riskiert, dass Angehörigen auf der Insel Repressalien erfahren.

Wie AP berichtet, wurden in Italien Einzelverträge mit den kubanischen Ärzten abgeschlossen und das Geld wird auf ihre italienischen Bankkonten überwiesen. Mediziner berichteten jedoch, dennoch bis zur Hälfte ihrer Gehälter abzugeben. 

Dutzende von ihnen sollen nun einen Antrag gestellt haben, um eigenständig in Italien arbeiten zu können. Möglichkeiten gibt es mehr als genug: Die Regionalregierung Kalabriens wollte eigentlich auf 1.000 medizinische Fachkräfte auf Kuba aufstocken. Das ist jetzt einmal abgeblasen - um nicht die Wut Washingtons auf sich zu ziehen.

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