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Kriegsverbrecher Ratko Mladić möchte in Serbien sterben

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić wurde 2011 gefasst und sitzt seitdem in Den Haag. Mitte April erlitt er einen Schlaganfall. Sein Anwalt beantragte vorzeitige Haftentlassung.
FILE PHOTO: Former Bosnian Serb commander Mladic appeal judgement at UN court in The Hague

Zusammenfassung

  • Opferverbände lehnen eine Verlegung von Ratko Mladić nach Serbien strikt ab und warnen vor einer schweren Ungerechtigkeit.
  • Mladić, verurteilt wegen des Massakers von Srebrenica und anderer Kriegsverbrechen, befindet sich nach einem Schlaganfall in schlechtem Zustand.
  • Seine Anwälte beantragen eine Verlegung zur Behandlung nach Serbien, was laut Opferverbänden die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz gefährden würde.

Im Jahr 2011 wurde der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg zu lebenslanger Haft.

Antrag auf vorzeitige Haftentlassung

Mehrfach versuchten seine Anwälte in den vergangenen Jahren, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Nun ist es wieder soweit. Nach Angaben seiner Familie hatte Mladić vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten und befindet sich in "dramatisch schlechtem" Zustand.

Mladićs Anwalt beantragte deshalb am Freitag, den 84-Jährigen vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien im Krankenhaus behandelt werden könne. 

Verlegung wäre "schwere Ungerechtigkeit"

Verbände von Opfern des Bosnien-Krieges haben sich gegen eine mögliche Verlegung des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers nach Serbien ausgesprochen. Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine "schwere Ungerechtigkeit an", falls Mladić der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde, schrieben die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem Brief. Gerichtet war er an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana.

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine "weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen", heißt es in dem Schreiben weiters. Mladić sei "mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen".

In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Einheiten im Sommer 1995 rund 8000 muslimische Männer und Burschen ermordet. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt.

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